Fraunhofer-Institut veröffentlicht Studie zum Homeoffice

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Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO hat in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse (TK) reale Leistungsdaten der Arbeitnehmer ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis, dass Beschäftigte im Homeoffice im Schnitt produktiver arbeiteten als im Büro. Im Durchschnitt würden etwa 20 Prozent mehr Kundenanliegen und Telefonate bearbeitet. Die Studie zeige jedoch auch, dass eine weitere Verlagerung ins Homeoffice nicht automatisch zu mehr Gesamtleistung führe und ab einem Kipppunkt sogar negative Effekte möglich seien. Als wichtigste Empfehlung werde ein kontinuierlich überprüftes Hybridmodell genannt, das Präsenz für Austausch sichert und zugleich Flexibilitätsvorteile nutzt.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Homeoffice messbar entlasten kann, wenn Prozesse digitalisiert sind und konzentrierte Abarbeitung im Vordergrund steht. Gleichzeitig braucht es bewusst gestaltete Präsenzphasen, um Informationsfluss, Abstimmung und Teamkultur zu sichern – insbesondere in Bereichen mit hoher Komplexität, Querschnittsaufgaben oder hoher Abstimmungsdichte. Weiter wird darauf hingewiesen, dass die Produktivitätsdifferenz zwischen Homeoffice und Büro stark zwischen Dienststellen schwankt. Daraus folgt für Behörden: Nicht die Homeoffice-Quote allein entscheidet, sondern die Organisation der Zusammenarbeit, die digitale Reife, die Führungspraxis und die Qualität der Kommunikationsformate.

Schließlich macht die Studie deutlich, dass der subjektive Nutzen von Präsenzzeiten auch vom Aufwand abhängt: Längere Anfahrtswege senken die Akzeptanz. Für Arbeitgeber bietet hybrides Arbeiten daher Chancen für Fachkräftegewinnung über größere Einzugsräume – vorausgesetzt, Servicequalität und Erreichbarkeit bleiben gesichert.

Anmerkung:

Homeoffice kann die Attraktivität kommunaler Arbeitgeber steigern und ländliche Räume stärken, weil längere Pendelwege wegfallen und Fachkräfte wohnortunabhängiger gewonnen werden können. Denn viele Arbeitsbereiche der öffentlichen Verwaltung lassen sich hybrid abarbeiten. Zugleich kann dies den Druck auf Wohnungsmärkte in Verdichtungsräumen mindern. In ländlichen Regionen gibt es ein erhebliches Potenzial – mit rund 1,3 Millionen marktfähigen Wohnangeboten besteht eine reale Chance, Ballungsräume zu entlasten. Voraussetzung dafür ist jedoch eine leistungsfähige Daseinsvorsorge: Gerade im ländlichen Raum fehlen vielfach Breitband, Nahverkehrsangebote, Ärztinnen und Ärzte sowie Schulen, weshalb gezielte Investitionen in Infrastruktur notwendig sind. Gleichzeitig bleibt zu beachten, dass Teamzusammenhalt, Wissenstransfer, Einarbeitung und informelle Abstimmung im kommunalen Alltag häufig von persönlicher Begegnung profitieren und bei zu geringer Präsenz Risiken für Produktivität, Servicequalität und Teambuilding entstehen.

Zur Studie des Fraunhofer Instituts: publica.fraunhofer.de

16.03.2026