Leibniz-Studie weist auf ungleiche Chancen im Bildungssystem hin
Eine neue Langzeitstudie zeigt: In Deutschland entscheidet die soziale Herkunft maßgeblich über Bildungswege – und das trotz vergleichbarer Leistungen. Von der Kita bis zum Übergang in Ausbildung oder Studium wirken sich die familiären Ressourcen auf Bewertungen, Entscheidungen und damit auf die Entfaltungs- und Erfolgschancen aus.
Die Untersuchung des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi) belegt umfassend, wie stark auch weiterhin die soziale Herkunft den gesamten Bildungsverlauf in Deutschland prägt – von der frühen Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter. Grundlage für die Beobachtungen sind Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS), das Bildungsprozesse über lange Zeiträume hinweg untersucht. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Kinder aus privilegierten Familien nicht nur von besseren Startbedingungen profitieren, sondern auch von strukturellen Vorteilen im Bildungssystem. Unterschiede bestehen nicht nur bei Kompetenzen, sondern auch bei Bildungsentscheidungen und Bewertungen. Bei vergleichbaren Leistungen werden 66 Prozent der Kinder aus höheren sozialen Schichten für das Gymnasium empfohlen, aber nur 52 Prozent aus niedrigeren Schichten. Diese Ungleichheiten wirken langfristig nach. So erreichen am Ende der Schulzeit nur knapp ein Drittel der Jugendlichen aus niedrigen sozialen Schichten die Hochschulreife, wohingegen mehr als drei Viertel aus hohen sozialen Schichten diesen Abschluss erlangen.
Diese Ungleichheiten beginnen bereits im frühen Kindesalter und setzen sich über alle Bildungsphasen hinweg fort. Finanzielle, kulturelle und soziale Ressourcen im Elternhaus beeinflussen maßgeblich, welche Bildungswege eingeschlagen werden und welche Abschlüsse erreichbar sind. Damit wird deutlich, dass sich bestehende soziale Unterschiede im Bildungssystem nicht nur widerspiegeln, sondern in vielen Fällen gegenseitig verstärken. Die Studie verdeutlicht somit ein zentrales Problem: Das Leistungsprinzip wird durch strukturelle Ungleichheiten unterlaufen. Trotz gleicher Fähigkeiten haben nicht alle Kinder die gleichen Chancen auf Erfolg im Bildungswesen.
Weitere Informationen zur Thematik sind abrufbar unter www.lifbi.de.
Anmerkung:
Die Ergebnisse der Studie liefern wichtige Erkenntnisse für die Bildungspolitik und einen Wasserstand zur Bildungsgerechtigkeit in Deutschland. Kommunen leisten hierzu bereits heute einen wichtigen Beitrag, besonders in der frühkindlichen Bildung und bei der Schulentwicklung. Eine enge Zusammenarbeit aller staatlichen Ebenen sowie eine verlässliche Unterstützung der kommunalen Ebene durch Bund und Länder können dazu beitragen, bestehende Unterschiede weiter zu verringern und Chancengleichheit schrittweise zu stärken – insbesondere um den sich gegenseitig verstärkenden Trend von Ungleichheiten zu verringern und Kindern auch aus sozialschwachen Familien eine gerechte Perspektive zu geben.









