Öffentlicher Dienst mit Personalzuwachs – Fachkräfteoffensive bleibt notwendig

Fachkräfte gesucht !

Erstmals seit den 1990er Jahren arbeiten wieder mehr Menschen im öffentlichen Dienst von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungsträgern. Der aktuelle Personalaufwuchs kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den nächsten zehn Jahren erhebliche Neueinstellungen notwendig sind, um allein das Personal zu ersetzen, welches in Rente und Ruhestand wechselt. Dazu kommt die Notwendigkeit, in vielen Bereichen, wie beispielsweise Kindertagesstätten und Ganztagsbetreuung, durch zusätzliche Aufgaben mehr Personal einstellen zu müssen.

Nach einem Stellenabbau in den vergangenen Jahren sind nun wieder nahezu fünf Millionen Menschen bei Bund, Ländern und Kommunen beschäftigt. Im Jahr 2020 waren es nach Angaben des Deutschen Beamtenbunds noch rund 4,6 Millionen, im Jahr davor 4,1 Millionen. Der dbb geht davon aus, dass aktuell schon rund 300.000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst fehlen, da bestehende Stellen teilweise nicht besetzt sind und es in vielen Bereichen notwendig ist, dringend neue Arbeitsplätze zu schaffen um die wachsenden Aufgaben, wie Kinderbetreuung oder Verwaltungsdigitalisierung, zu bewältigen.

Dazu kommt, dass in den kommenden Jahren fast 1,3 Millionen Beschäftigte, die heute über 55 Jahre alt sind, in Rente und Ruhestand gehen.

Bleibebarometer Öffentlicher Dienst

Die Beratungsagentur next:public hat zu Beginn des Jahres ihr „Bleibebarometer“ Öffentlicher Dienst veröffentlicht. Dafür wurden 7.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Öffentlichen Dienst in Bund, Ländern und Kommunen befragt.

Ein Ergebnis war, dass 80 Prozent der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst sich vorstellen können, den Arbeitgeber zu wechseln. Ein Drittel der Beschäftigten zieht auch einen Wechsel in die Privatwirtschaft in Betracht. Die Beschäftigten wünschen sich nach Ergebnissen der Umfrage mehr Wertschätzung durch die Führungskräfte und auch professionelleres On- und Offboarding von Arbeitskräften. Darüber hinaus wurde klar, dass der Charakter des wertbasierten Arbeitgebers für viele Beschäftigte zentral ist. Notwendig sei auch, dass die individuelle Karriereplanung besser berücksichtigt wird und beispielsweise Laufbahnwechsel und Aufstiege erleichtert werden.

Anmerkung:

Die aktuellen Zahlen machen nochmal deutlich, dass es eine Fachkräfteoffensive des öffentlichen Dienstes braucht. Der demografische Wandel wird alle Arbeitgeber treffen. Damit der öffentliche Dienst leistungsstark bleibt, braucht er auch in Zukunft das Personal, um die Aufgaben erfüllen zu können.

Die Krise hat auch gezeigt, dass der öffentliche Dienst ein sicherer Arbeitgeber ist. Allerdings braucht es eine Idee, wie sich der öffentliche Dienst als zentraler Akteur der Daseinsvorsorge als ein attraktiver Arbeitgeber darstellen kann. Die verschiedenen Aufgaben und Leistungen müssen auch zu einem übergreifenden Image zusammengeführt werden. Wer an den öffentlichen Dienst denkt, soll nicht das Bild der Amtsstube, sondern das der übergreifenden Daseinsvorsorge als Leistung für die Menschen im Kopf haben. Darüber hinaus braucht es auch mehr Flexibilität in der Personalführung und Personalbetreuung, damit individuelle Talente auch gefördert werden können. Grundlage hierfür muss ein modernes Dienst- und Arbeitsrecht sein.

Das Bleibebarometer ist abrufbar unter:

https://nextpublic.de/bleibebarometer-oeffentlicher-dienst.