Auswirkungen der Corona-Virus-Pandemie auf die Tourismuswirtschaft

Warning sign with Coronavirus molecule on a police line on the blurred background of Grand Canal in Venice, Italy.

Das touristische Leben in Deutschland steht still, spätestens seit den gemeinsamen Leitlinien von Bund und Ländern vom 16.03.2020, die die Einschnitte und Verbote im Tourismus im Zuge der Coronakrise noch einmal drastisch verschärfen sowie der weltweiten Reisewarnung für Touristen des Auswärtigen Amts.

Hotelübernachtungen von Touristen in Deutschland und Busreisen sind verboten, Restaurants und Bars geschlossen. Messen und Veranstaltungen waren zuvor schon untersagt. Darüber hinaus gilt die klare politische Anweisung, auf alle Reisen im In- und Ausland zu verzichten, womit auch Reiseveranstaltern, Reisebüros und Mobilitätsanbietern auf ungewisse Zeit die Arbeitsgrundlage entzogen wird. Die EU hat zusätzlich am 18.03.2020 ein 30-tägiges Einreiseverbot für Nicht-EU-Bürger in die EU-Staaten verhängt.

Daher hat die Corona-Virus-Pandemie auch die Tourismuswirtschaft binnen weniger Wochen fast vollständig zum Erliegen gebracht. Soziales Miteinander und Mobilität sind auf das Lebensnotwendige beschränkt. Die Maßnahmen dienen der Gesundheit der Bevölkerung. Sie haben aber gravierende Auswirkungen auf die Betriebe und die Destinationen.

Betriebe und Einrichtungen brauchen jetzt Hilfe

Die Politik und die Finanzbranche haben in dieser Krise sofort reagiert. In kürzester Zeit wurden Hilfs- und Rettungsmaßnahmen für die gesamte Wirtschaft auf den Weg gebracht. Die Sparkassen und Banken sind für die Kunden da, mit Krediten und Gesprächen, aber auch mit Informationen, die ihnen helfen, die Situation zu meistern; das können neben Tilgungsaussetzungen auch Anträge auf KfW-Förderdarlehen zur Überbrückung der Krise sein.

Verlust in Höhe von 2,6 Mrd. Euro in ostdeutschen Destinationen

Geht man davon aus, dass die Reise- und Bewegungseinschränkungen nur bis Ende April andauern, ist mit rund 2,6 Mrd. Euro Verlust in den ostdeutschen Destinationen durch die Auswirkungen des Corona-Virus allein im März und April 2020 zu rechnen. So muss z. B. der Osterreiseverkehr in diesem Jahr komplett ausfallen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Hochrechnung der dwif-Consulting GmbH. Der Tagestourismus hat daran einen Anteil von 50 Prozent. Die Folgen für den Arbeitsmarkt sind derzeit noch nicht seriös abzuschätzen.

Umsatzausfall in Höhe von 1,3 Mrd. Euro im Übernachtungstourismus

Die Nachfrage bei Übernachtungen hat in diesem Zeitraum in Ostdeutschland voraussichtlich einen Anteil an den Übernachtungen im Gesamtjahr von 12 bis 15 Prozent (abhängig vom Bundesland und Destinationstyp). In vorläufigen Schätzungen bedeutet dies einen Umsatzausfall im Übernachtungstourismus in Höhe von bis zu 1,3 Mrd. Euro.

Neben den akuten Effekten sind im weiteren Saisonverlauf 2020 Folgen zu erwarten: Urlaubsgebiete müssen sich aufgrund von Stornierungen und einer Zurückhaltung bei Vorbuchungen, z. B. aufgrund eines subjektiven Unsicherheitsempfinden, auf extreme Nachfragerückgänge einstellen. Sie können allenfalls auf ein Kurzfristgeschäft hoffen.

Auch in Städten mit starkem Veranstaltungsgeschäft ist eine weitere Zuspitzung zu erwarten: Immer mehr Veranstaltungen auch für den Mai oder Juni 2020 sind oder werden abgesagt. Der internationale Reiseverkehr wird länger brauchen, um wieder anzuspringen.

Das Tourismusbarometer rät den Betrieben und Destinationen in Ostdeutschland, sich schon jetzt auf die Zeit nach der Krise einzustellen. Dazu können die Gastgeber kurzfristige Maßnahmen umsetzen wie z. B. eine aktive transparente Kommunikation betreiben, innovative virtuelle Erlebnisse entwickeln oder Alternativmärkte erschließen.

Rückgang der Unternehmensumsätze

Eine DEHOGA-Blitzumfrage im Gastgewerbe Anfang März, an der knapp 10.000 Betriebe aus ganz Deutschland teilnahmen, zeigt wie früh die Kunden reagiert haben. Bereits vor landes- und bundesweiten Maßnahmen wie dem touristischen Übernachtungsverbot oder Gastronomieschließungen gingen die Umsätze bis 4./5. März 2020 um 31 Prozent zurück, die der Neubuchungen sogar um 38 Prozent.

Laut einer Umfrage des DIHK Anfang April 2020 beklagen den Zahlen zufolge 91 Prozent der Unternehmen im Gastgewerbe und 82 Prozent in der Reisewirtschaft einen kompletten Stillstand aller geschäftlichen Tätigkeiten - in der Gesamtwirtschaft sind es 43 Prozent.

Existenz bedroht: Umsätze weggebrochen - Fixkosten bleiben

Hohe Kosten und geringe Liquidität belasten die gastgewerblichen Betriebe schwer und bedrohen mancherorts sogar die Existenz. Durch die vergleichsweise niedrigen Eigenkapitalquoten verfügen die meisten gastgewerblichen Betriebe über wenig Reserven, eine derartige Krise länger durchzustehen. In Ostdeutschland sind die Gastronomiebetriebe besser aufgestellt als im Bundesdurchschnitt. Doch nicht nur die dramatischen Umsatzeinbußen treffen die Branche. Die hohen Fixkostenbelastungen stellen ein weiteres Problem dar. Personal- und Mietaufwandsquoten zwischen 35 und 46 Prozent schränken die Liquidität ein.

Nur gemeinsam durch die Krise - Blick nach vorn

Für viele Betriebe ist daher eine schnelle Unterstützung von außen wichtig. Staatliche Hilfsmaßnahmen in Form von Kapitalzuflüssen oder Kostenentlastungen müssen die Betriebe schnell und unbürokratisch erreichen.

Zusätzliche Zinsbelastungen und Umsatzeinbußen können künftige Investitionen behindern. Denn die Branche muss auch jetzt nach vorn blicken. Es ist zu erwarten, dass sich nach Ende der Corona-Krise die Gastronomie schnell und die Beherbergung mittelfristig regeneriert.

15.04.2020