DB Medibus – die rollende Arztpraxis als Pilotprojekt erfolgreich
Eine alternde Gesellschaft und damit die Notwendigkeit häufigerer Arztbesuche bei gleichzeitig fehlendem ärztlichem Nachwuchs sind eine der größten Herausforderungen für die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen. Die Deutsche Bahn (DB) hat deshalb den DB Medibus entwickelt. Mit ihm können in unterversorgten und von Unterversorgung bedrohten Gebieten künftig mobile Praxen eingesetzt und telemedizinische Versorgungsalternativen angeboten werden. Seit Juli 2018 kommt der Medibus in einer zweijährigen Pilotphase in Nordhessen zum Einsatz und ergänzt das Angebot der niedergelassenen Ärzte. Projektpartner sind die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH), DB Regio sowie die Gemeinden Nentershausen, Cornberg, Sontra, Weißenborn, Ringgau und Herleshausen. Eine erste Zwischenbilanz des Pilotprojekts fällt nach Aussage der Projektpartner vielversprechend aus. So sei es mit dem Medibus gelungen, die angespannte medizinische Versorgungslage in den sechs Gemeinden vorerst abzumildern. Die mobile Einheit hat darüber hinaus den Vorteil, sich schnell auf Veränderungen einstellen und passgenau auf neue Anforderungen in der Patientenversorgungreagieren zu können.
Der DB Medibus ist ein 12,7-Meter-Linienbus des niederländischen Herstellers VDL, in dem sich eine voll ausgestattete mobile Praxis für Allgemeinmedizin befindet. Er ist ein Angebot an die gesamte Gesundheitsbranche von Politik und Verwaltung über Krankenkassen bis zu den Ärzten, die das medizinische Personal für den Bus stellen. Der Medibus ist unterteilt in Wartezimmer, Labor und Behandlungsraum und Sprechzimmer. Durch die Verwendung modernster Technologien des kalifornischen Technologiekonzerns Cisco, wie etwa einer internetfähigen Videokonferenzanlage, besteht die Möglichkeit, bei der Behandlung auch Telemedizin – Diagnostik und Therapie über räumliche Distanz – einzusetzen. So kann auch die medizinische Versorgung durch Fachärzte im ländlichen Raum sichergestellt werden. Damit ist der DB Medibus eine wertvolle Ergänzung zu den bestehenden Arztpraxen.
Das Modellprojekt „Medibus“ der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) wurde im Rahmen des Innovationspreises „Ausgezeichnete Gesundheit 2019“ in Berlin vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland prämiert.
Auch der Gesetzgeber hatte die gesellschaftliche Relevanz dieser Innovation erkannt und in das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) einfließen lassen, welches am 11. Mai 2019 in Kraft getreten ist.
Anmerkung:
Der Medibus ist durchaus ein effizientes und innovatives Mittel. Er kann dazu beitragen, die ärztliche Versorgung auf dem Land vorübergehend zu verbessern. Der Bus ist allerdings nur eine Übergangslösung. Die Kassenärztlichen Vereinigungen sind gefordert, alles daran zu setzen, Ärzte für eine Niederlassung oder eine Anstellung in ländlichen Regionen zu motivieren.