Die FrauenOrte wurden vor 20 Jahren in Sachsen-Anhalt erfunden!
Gastbeitrag von Frau Anke Triller
Seit zwanzig Jahren erzählen FrauenOrte Geschichte(n) von Frauen aus und in Sachsen-Anhalt. Geschichten von Orten, die exemplarisch für verschiedenste Lebensbereiche von Frauen stehen. Sie wurden als ein Korrespondenzprojekt der EXPO 2000 und bundesweit erstmalig ins Leben gerufen sowie als Idee inzwischen auch in Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen und Thüringen aufgegriffen. Aktuell gibt es 51 mit Tafeln gekennzeichnete FrauenOrte in 37 Städten und Gemeinden in unserem Land, vom altmärkischen Salzwedel bis Droyßig bei Zeitz (siehe www.frauenorte.net). Sie spannen einen zeitlichen Bogen von ca. 1.000 Jahren regionaler Geschichte und sind durch das gleichnamige zweibändige Buch des Mitteldeutschen Verlages vernetzt. Dank der Förderung des Landes Sachsen-Anhalt konnte ich, Anke Triller, im September 2019 meine koordinierende Tätigkeit für die FrauenOrte Sachsen-Anhalt aufnehmen und möchte Sie, verehrte Leserinnen und Leser, hiermit einladen, unser Netzwerk kennenzulernen und aktiv vor Ort zu unterstützen.
Vermutlich haben Sie schon einmal eine der FrauenOrte-Tafeln mit der prägnanten rot-grünen-Blume auf grauem Grund gesehen. Und sicher wissen Sie auch, dass die 1762 in Moskau zur Zarin gekrönte Katharina II. als Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst-Dornburg ihre Jugenderziehung in Zerbst erhielt. Die Sammlung Katharina II. des Museums der Stadt Zerbst/Anhalt im Kavalierhaus in der Schloßfreiheit ist dabei Ausgangspunkt für eine einzigartige touristische Route, die in Zerbst zu zehn höfischen Stationen führt, die aus dem Leben der anhaltischen Prinzessin, ihrer Familie und der Stadthistorie erzählen.
Aber kennen Sie auch die sachsen-anhaltinische Geschichte der Kleinkind-Erziehung, die in den 1830er Jahren in Sachsen-Anhalt u. a. in Folge der Fröbelschen Kindergarten-Bewegung begann? Bis in unser Jahrtausend ein vorrangig weiblich geprägtes Arbeitsfeld, hat sie weiterhin größte Bedeutung für ein familienfreundliches Umfeld in unseren Städten und Gemeinden. Wussten Sie, dass in Sachsen-Anhalt die älteste, durchgehend existierende Kindereinrichtung in Deutschland, 1856 als „Hellerstift“ gegründet, zu finden ist? Darauf ist die heutige städtische Kindertagesstätte „Rotkäppchen“ in Zörbig zurecht stolz und ganz folgerichtig führt auch hier der stadtgeschichtliche Rundweg vorbei.
Darüber hinaus gab es in unserem Land schon frühzeitig fortschrittliche Frauenbildungsstätten wie in Köthen, Droyßig und Halberstadt, die die wachsende Nachfrage in der preußischen Provinz Sachsen nach Erzieherinnen für die Kinderbetreuung deckten. Eltern aus Leipzig stifteten sogar aus Dankbarkeit ein großes Denkmal für die Köthenerin Angelika Hartmann in ihrer Heimatstadt, ein weiterer FrauenOrt.
Namen wie die der Kaiserinnen Adelheid und Theophanu in Magdeburg, Dr. Dorothea Christiana Erxleben in Quedlinburg, Jenny Marx in Salzwedel, Olga Benario in Bernburg bis hin zu Brigitte Reimann in Burg, aber auch vergangene Arbeitswelten der Altmärker Bäuerinnen im Freilichtmuseum Diesdorf, der Diakonissen im Mutterhaus in Halle oder der Produktionsarbeiterinnen im Industrie- und Filmmuseum Wolfen begegnen den interessierten Einheimischen und Touristen an den FrauenOrten.
Liebe Leserinnen und Leser, lassen Sie sich inspirieren, die vorhandenen FrauenOrte, aber auch andere lokal- und regionalgeschichtliche Frauenschicksale (wieder) zu entdecken und sichtbar zu machen, so wie es entsprechende Initiativen in den benachbarten Bundesländern Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen und Thüringen mittlerweile ebenfalls erfolgreich umsetzen. Nutzen Sie das kulturtouristische Potenzial unseres „Exportschlagers“ FrauenOrte und dessen räumliche Verknüpfungen mit der „Straße der Romanik“, den „Gartenträumen“, dem „Lutherweg“ und/oder diversen Rad- und Wanderrouten. Gewinnen Sie aktive Kooperationspartner*innen im touristischen und musealen Bereich, denn lokale und regionale Angebotsvielfalt steigert die Attraktivität für Einwohner*innen und Gäste Ihrer Kommune. Natürlich muss es nicht immer gleich eine komplette „Festwoche“ wie in Sangerhausen sein. Aber die jährlichen Sangerhäuser „Jutta-Festtage“ im Mai oder auch die vielfältigen schulischen wie außerschulischen Aktivitäten der Ernestine-Reiske-Ganztagsschule in Kemberg sind lebendige Beispiele, wie die vertrauensvoll gewachsene Zusammenarbeit von Gleichstellungsbeauftragten, Verwaltung, Vereinen, Kirchen bis hin zu den Schulen an einem FrauenOrt zu einem Gewinn für die ganze Kommune, ob Stadt oder ländliche Gemeinde, werden kann.
Gerne stehe ich für Ihre Nachfragen und Kooperationsideen zur Verfügung. Sie erreichen mich unter Tel. 01520-3905024 bzw. per E-Mail: Info@frauenorte.net.
Die Koordinierungsstelle FrauenOrte Sachsen-Anhalt wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.