EU forscht an der Eindämmung von Corona durch „Water Fingerprinting“
Die Corona-Pandemie stellt Kommunen europaweit vor schwierige Aufgaben, wenn es um die Ermittlung von aufkommenden Hotspots geht. Gegenwärtig forscht daher das Europäische Forschungsinstitut an einer Überwachungstechnik, die verlässliche Daten über zukünftige Hotspots liefert. Vereinfacht gesprochen ist diese Überwachungstechnik, das sogenannte „Water Fingerprinting“, nichts anderes als die Analyse der Abwässer auf gefährliche „Biomarker“, die über den Gesundheitszustand der Bevölkerung, und zwar anonym, Auskunft geben. Anhand der Prüfung können gerade in Epidemie-Zeiten - so die Wissenschaftler - Auskünfte darüber eingeholt werden, wo Seuchen/Krankheiten verstärkt auftreten (werden).
Die Idee ist eigentlich alt und wurde - unter anderem Namen - ursprünglich für die Überwachung von Polio eingesetzt. Abwasserproben wurden in der Vergangenheit außerdem bereits für die Schweinegrippe oder das Norovirus eingesetzt. Ferner konnten mit der Methode Auskünfte etwa über den Drogenkonsum einer Bevölkerung eingeholt werden. Jetzt soll das System der Vorhersage von regionalen oder lokalen Corona-Ausbrüchen dienen.
Das Verfahren ist „umfassend und objektiv, liefert Ergebnisse in Echtzeit, ist preiswert und flexibel“. Über eine Analyse einer Vielzahl an „Biomarkern“ im Abwasser können umfassende Informationen gewonnen werden. Auch noch unbekannte „Biomarker“ können erfasst und zu einem späteren Zeitpunkt einem neu entdeckten Virus zugeordnet werden. Doch natürlich bestehen in der Anwendung dieses Verfahrens noch Schwierigkeiten: Verfälscht etwa ein hoher Zufluss an Regenwasser die Konzentration eines „Biomarkers“? Auch eine Standardisierung in der Erfassung muss vorangetrieben werden, um die Ergebnisse der Analyse nachvollziehbar zu machen. Aber das alles scheint beherrschbar.
Mittlerweile pocht die EU an die Tore der Nationalstaaten, um das System europaweit einzuführen. Wichtig aus kommunaler Sicht ist, dass das Ganze nur dann funktionieren kann, wenn die Kommunen und ihre (Ab-)Wasserwerke mitmachen. Damit es in dieser Frage zu einem direkten Draht zwischen den politischen Ebenen EU und Kommunen kommt, hat sich das Europabüro in den Diskussionsprozess eingeschaltet.