Fahrradparken an Bahnhöfen
Die vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beauftragte Studie „Fahrradparken an Bahnhöfen“ untersucht den Status quo von Radabstellanlagen an Bahnhöfen in Deutschland, identifiziert bestehende Hemmnisse und formuliert auf dieser Basis Handlungsempfehlungen auf unterschiedlichsten Ebenen für den flächendeckenden Ausbau von Bike und Ride (B+R)-Anlagen. Hintergrund der Untersuchung sind die Potenziale zur Verlagerung von Fahrten des MIV (motorisierter Individualverkehr) auf ÖPNV- und Fahrradfahrten, welche - eingebettet in eine umfassende Verlagerungsstrategie - auch durch die Förderung einer intermodalen Nutzung der beiden Verkehrsmittel ausgeschöpft werden können. Im Vergleich zu den Niederlanden, gibt es in Deutschland bislang keine übergeordnete Strategie zum Ausbau von Bike und Ride.
Hauptakteure sind die Kommunen, die Finanzierung erfolgt meist über spezifische Landesförderprogramme. In der Folge ist das Angebot an Fahrradabstellanlagen an Bahnhöfen sehr heterogen - je nach Förderpraxis und politischem Willen.
Bedarf von 1,5 Mio. Fahrradabstellplätzen an Bahnhöfen
Eine im Rahmen des Projekts durchgeführte bundesweite Befragung der SPNV-Aufgabenträger und vertiefende Analysen in sieben großen S-Bahnregionen (Berlin, Hamburg, Mitteldeutschland, München, Rhein-Main, Rhein-Ruhr und Stuttgart) lassen jedoch auf einen insgesamt großen Bedarf an Radabstellanlagen an Bahnhöfen schließen; einerseits zur Deckung der bereits heute vorhandenen Nachfrage, andererseits zur Ausschöpfung der oben dargestellten Potenziale. Eine grobe Abschätzung ergab einen Bedarf von 1,5 Mio. Radabstellplätzen an deutschen Bahnhöfen, 1 Mio. davon an den 1.000 aufkommensstärksten Stationen.
Organisationsstrukturen erschweren den Ausbau
Eine zentrale Erkenntnis des Projekts ist es, dass der flächendeckende Bau von größeren Fahrradabstellanlagen an den aufkommensstarken Bahnhöfen nach niederländischem Vorbild weder mit den heutigen Finanzierungsansätzen noch mit den bestehenden Organisationsstrukturen zu bewerkstelligen ist. Entsprechend wird ein strategischer Ansatz empfohlen, bei dem sowohl der Bund als auch die Deutsche Bahn AG eine jeweils zentrale Rolle im Hinblick auf Finanzierung und Umsetzung einnehmen.
Handlungsempfehlungen
Die bestehenden Landesförderprogramme sowie die Bike+Ride-Offensive des Bundesumweltministeriums sind grundsätzlich geeignete Instrumente für den weiteren Ausbau kleinerer und mittlerer Anlagen an weniger aufkommensstarken Bahnhöfen.
Im Hinblick auf einzelne Schwachstellen der Förderprogramme wurden entsprechende Verbesserungsvorschläge erarbeitet. Unter organisatorischen Aspekten wird insbesondere zur Entlastung der Kommunen eine klare Definition der Verantwortlichkeiten sowie die Installation von Koordinierungsstellen empfohlen. In Bezug auf die Flächenbereitstellung bedarf es geeigneter Prozesse bei DB, Ländern und Kommunen für eine schnelle, vollständige und systematische Identifizierung und Klärung geeigneter Flächen. Das im Rahmen der Studie entwickelte modulare Baukonzept sowie eine Musterkostenrechnung unterstützen die beteiligten Akteure bei der Planung und Umsetzung von Bauvorhaben - unabhängig von deren Größenordnung.
Anmerkung:
Bislang ist das Angebot an Fahrradabstellanlagen an Bahnhöfen sehr heterogen und unzureichend. Der Nachholbedarf von 1,5 Mio. Abstellanlagen zeigt eindringlich, dass im Zuge der Bahnreform, die intermodale Verknüpfung der Bahn mit dem Fahrrad seitens des Bundes lange vernachlässigt wurde. Dies hat sich jedoch mit dem Bike+Ride-Programm des BMU und dem Klimaprogramm der Bundesregierung gewandelt.
Das Nachbarland Niederlande zeigt, welche zusätzlichen Potenziale im ÖPNV und Radverkehr durch eine bessere Verknüpfung der Verkehrsträger erreicht werden können. Um diese Potenziale zu heben, müssen Kommunen, Bund und Länder und eben die Deutsche Bahn schnellstmöglich deutlich aktiver werden und einen gemeinsamen strategischen Ansatz verfolgen. Mit der Bike+Ride-Offensive befindet man sich auf einem wirkungsvollen Weg. Besonders schwierig stellt sich jedoch die Situation in dicht bebauten Innenstadtlagen dar, wenn weder Flächen der DB Stationen & Service bzw. DB Netz noch der Kommunen leicht erschlossen werden können. Hier bedarf es komplexerer Lösungen wie Fahrradparkhäuser, die deutlich höhere Investitionskosten mit sich bringen.
Im Rahmen des neuen Sonderprogramms zur Radverkehrsförderung „Stadt und Land“ des BMVI sollen auch Fahrradabstellanlagen und Fahrradparkhäuser gefördert werden. Die Förderquoten werden zwischen 75 Prozent und 90 Prozent betragen. Die Regelförderquote ist bis Ende 2021 im Rahmen des Konjunkturpakets auf 80 Prozent erhöht worden. Die für das Programm erforderlichen Verwaltungsvereinbarungen des Bundes mit den Ländern stehen kurz vor dem Abschluss. Zudem ist seitens des BMVI die Einrichtung einer Informationsstelle zum Fahrradparken an Bahnhöfen geplant.