Fehlende Stellplätze für Lkw an Bundesautobahnen
An deutschen Autobahnen fehlten bereits 2018 rund 23.000 Stellplätze für Lkw. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bundesanstalt für das Straßenwesen vom April 2018, die nun vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) veröffentlicht wurde.
Studie der Bundesanstalt für das Straßenwesen (BASt)
Der Studie zufolge fehlen Lkw-Parkplätze insbesondere auf bewirtschafteten Rastanlagen. Untersucht wurden jedoch auch unbewirtschaftete Rastanlagen sowie Autohöfe und Grenzzollanlagen. Zudem flossen auch Stellplätze mit ein, die nicht für Lkw vorgesehen sind, aber trotzdem genutzt werden, beispielsweise Pkw-Parkplätze.
Die BASt hat für die Studie 2018 an drei aufeinanderfolgenden Tagen zwischen 22 Uhr und 3 Uhr morgens Lkw gezählt und kam pro Nacht auf jeweils rund 94.000 Fahrzeuge. Die vorhandenen Kapazitäten an Stellplätzen ermittelte sie in Zusammenarbeit mit den Landesverwaltungen der Länder und bezifferte sie auf knapp 71.000.
Die Studie 2018 baut auf vorangegangene Studien von 2008 und 2013 auf. Seit der ersten Untersuchung ist der Lkw-Verkehr stark gestiegen. Seit 2008 ist die Zahl der Lkw-Abstellmöglichkeiten um 31 Prozent von 53.900 auf 70.800 gestiegen. Aufgrund der konjunkturellen Lage kam es zu steigendem Güterverkehrsaufkommen und einer entsprechenden Zunahme im Lkw-Verkehr. Gezählt wurden 94.100 Lkw. Das sind 38 Prozent mehr als 2008.
Fünf-Punkte-Plan des BMVI
Das BMVI kündigte im Rahmen der Veröffentlichung der Studie einen Fünf-Punkte-Plan an:
- Neue Lkw-Parkmöglichkeiten auf den Rastanlagen des Bundes schaffen: Unter anderem will das BMVI 2020 gemeinsam mit den Auftragsverwaltungen der Länder die Fortschreibung des Netzkonzeptes für Lkw-Parken beginnen.
- Verstärkter Einsatz telematischer Parkverfahren (Kolonnen- und Kompaktparken): Unter anderem will das BMVI im Rahmen der Fortschreibung der Netzkonzepte im Jahr 2020 gemeinsam mit den Ländern den breiteren Einsatz telematischer Parkverfahren prüfen.
- Reduzierung des Lkw-Parksuchverkehrs durch den Einsatz von Parkleitsystemen: Die BASt erstellt unter enger Begleitung einer Bund/Länder Arbeitsgruppe auf Initiative und im Auftrag des BMVI ein „Konzept für ein bundeseinheitliches LKW-Parkleitsystem (PLS) auf Autobahnen.
- Optimierte Nutzung des vorhandenen LKW-Parkraums: Beispielsweise soll durch die Freigabe der Pkw-Stellflächen für LKW in den Nachtstunden zusätzlicher LKW-Parkraum nachts geschaffen werden.
- Prüfung neuer Parkraummodelle in Autobahnnähe: Das BMVI arbeitet gegenwärtig an einer Förderrichtlinie für Lkw-Stellplätze im Nahbereich von Autobahn-Anschlussstellen insbesondere im Bereich von Industrie- und Gewerbegebieten.
Anmerkung:
Das Parken entlang der Bundesautobahnen ist seit vielen Jahren ein viel diskutiertes Thema in den betroffenen Städten- und Gemeinden. Die Studie des BASt unterstreicht erneut den Bedarf an zusätzlichen Parkmöglichkeiten, welcher seit Durchführung der Studie 2018 noch weiter gestiegen sein dürfte. Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung ging im Oktober 2019 von knapp 40.000 fehlenden Lkw-Abstellplätzen aus.
Durch die Inanspruchnahme und Beeinträchtigung der gemeindlichen Verkehrsinfrastruktur durch den Schwerlastverkehr entstehen Folgekosten für die betroffenen Städte und Gemeinden und eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität vor Ort. Fehlende Parkplätze, gerade in den Abend- und Nachtstunden, sind nicht nur ein Ärgernis für Lkw-Fahrer. Sie sind ein Sicherheitsproblem für andere Verkehrsteilnehmer, wenn Fahrer die festgelegten Lenkzeiten überschreiten müssen. Durch die Nutzung von nicht geeigneten Ausweichflächen in den Städten und Gemeinden entstehen Abgas- und Lärmbelästigung für die Menschen. Weitere Probleme stellen Vermüllung und Verunreinigungen aufgrund fehlender Sanitäranlagen entlang der Straßen oder in betroffenen Gewerbegebieten dar.
Die in dem Fünf-Punkte-Plan des BMVI vorgeschlagenen Maßnahmen zur Schaffung zusätzlicher Lkw-Stellplätze entlang der Bundesautobahnen sind zwar zu begrüßen, reichen jedoch noch nicht aus. Das angekündigte Förderprogramm für private Investoren, um den Ausbau an Autohöfen in Gewerbe- und Industriegebieten in Autobahnnähe zu unterstützen, kann die bundeseigenen Aktivitäten aber durchaus ergänzen. Die Schaffung weiterer Stellplätze an Bundesautobahnen ist erforderlich, da auch 2020 und darüber hinaus mit einem weiteren Wachstum des Güterverkehrs auf der Straße zu rechnen ist. Neben der Schaffung von mehr Parkplätzen für Lkw muss ein wesentlicher Teil einer Gesamtstrategie des Bundes die Verlagerung von Gütertransporten auf Schiene und Wasserstraßen sein.
Weitere Informationen
Die Studie „Lkw-Parksituation im Umfeld der BAB 2018“:
www.bmvi.de
Fünf-Punkte-Plan des BMVI:
www.bmvi.de