Geflüchtete im Arbeitsmarkt

flüchtling arbeit

Immer mehr Geflüchtete fassen auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß. Im September gab es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 289.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die aus dem „Hauptherkunftsländern der Geflüchteten“ kamen. Zusätzlich gingen rund 72.000 Personen einer ausschließlich geringfügigen Beschäftigung nach. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg im Vergleich zum Vorjahr um 95.000. Im März 2018 (aktueller Zahlen liegen noch nicht vor) befanden sich darüber hinaus gut 28.000 Auszubildende mit einer Staatsangehörigkeit der Hauptherkunftsländer in einer sozialversicherungspflichtigen Berufsausbildung, im Jahr davor waren noch 14.000 Auszubildende weniger beschäftigt. Die Bundesagentur für Arbeit sieht in diesen Zahlen eine positive Entwicklung, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die Integration in den Arbeitsmarkt weiter einen langen Atem braucht. Geringe bzw. mangelnde Sprachkenntnisse sowie fehlende formale Berufsabschlüsse erschweren eine schnellere Integration von Schutzsuchenden in Beschäftigung.

Die vorliegenden Zahlen zeigen eine durchaus positive Entwicklung. Zwischenergebnisse aus dem Projekt „Integration von Zuwanderern – Herausforderungen für die Stadtentwicklung“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zeigen jedoch, dass die schnelle Arbeitsmarktintegration nicht gleichbedeutend mit Unabhängigkeit von Sozialsystemen ist. Vielmehr erfolgt nach den Fallstudienberichten eher eine kurzfristige Vermittlung vor allem in Helfertätigkeiten, obwohl eine dauerhafte, belastbare Integration in höherwertige Qualifikationen hilfreich wäre (BBSR-Online-Publikation Nr. 06/2018).

Die Beschäftigungsquote von Geflüchteten liegt mit 31,6 Prozent weiterhin weit hinter der für alle Ausländer mit 50,3 Prozent sowie für Deutsche mit 70 Prozent. Die Differenz wird noch größer, wenn man die Beschäftigungsquoten nach der Staatsangehörigkeit betrachtet. Diese liegen:

Land               Beschäftigungsquote

Pakistan           43,6 Prozent
Eritrea               40,2 Prozent
Nigeria              39,2 Prozent
Iran                    38,4 Prozent
Afghanistan      34,4 Prozent
Somalia            30,4 Prozent
Irak                    28,6 Prozent
Syrien                27,2 Prozent

Im August 2018 waren insgesamt 4,1 Mio. erwerbsfähige Leistungsberechtigte in den Jobcentern registriert. Bei fast 15 Prozent oder 609.000 handelt es sich dabei um Geflüchtete. Zudem gibt es schätzungsweise rund 310.000 nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus dem Kreis der Geflüchteten. Im August 2018 befanden sich 139.000 Schutzsuchende in einer sogenannten Fremdförderung. Hierunter fallen vor allem die Integrationskurse beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Nach Einschätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bietet die Arbeitsmarktlage in Deutschland derzeit gute Voraussetzungen für die Integration in Beschäftigung. Gab es Anfang 2010 noch 27,5 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, so liegt die Zahl im September 2018 bei 33,4 Mio. Dennoch zeigen sich für die Gruppe der Geflüchteten nach Feststellungen des IAB besondere Herausforderungen. Als besonders hilfreich habe sich die Kombination aus Sprachunterricht mit Aktivierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen erwiesen. Es ist nach wie vor ein Problem, dass in vielen Fällen keine Bildungszertifikate aus den Herkunftsländern vorliegen. Dies ist für die Arbeitsmarktintegration in Deutschland mit der durch die duale Ausbildung geprägten Struktur problematisch. Bei der Kompetenzerfassung und beim Erwerb arbeitsmarktrelevanter Qualifikationen zeige sich die enge Verbundenheit von Sprach- und Kompetenzerwerb. Die betriebliche Erprobung von Geflüchteten beim Arbeitgeber wird laut IAB am häufigsten als geeignetes Mittel zur Erhöhung der Einstellungsbereitschaft von Betrieben genannt. In den Jobcentern sollte darüber hinaus das Angebot einer weitergehenden Betreuung nach einer erfolgreichen Vermittlung in Arbeit ausgebaut werden. Auf diese Weise ließen sich Beschäftigungsverhältnisse stabilisieren oder die weitere Qualifizierung von Geflüchteten unterstützen.

14.01.2019