Waldsterben beenden - „Grüne Lungen“ in Kommunen erhalten;
Nachhaltiger Aktionsplan nötig

wald

Ein Baum- und Waldsterben, das weite Teile Deutschland erfasst, greift immer stärker um sich. Ursachen sind neben den anhaltenden Dürre- und Hitzeperioden und damit auch verbundenen Waldbränden insbesondere die Schäden, die etwa durch den Borkenkäfer oder den Eichenprozessionsspinner ausgelöst werden. Gefährdet sind neben Fichtenwäldern auch zunehmend Buchen-, Birken- sowie Eichenbestände. Baum- und Waldsterben beinhalten nicht nur ein ökologisches Problem und sind negativ für den Klimaschutz. Sie führen auch zu immensen Schäden in Millionenhöhe.

Diese Entwicklung stellt auch die Städte und Gemeinden vor immer neue Herausforderungen. Denn betroffen sind nicht nur der kommunale Waldbestand außerhalb der bebauten Ortsteile, sondern auch das Stadtgrün sowie die Pflanzen innerhalb der Städte und Gemeinden. Die langandauernden Trockenperioden haben auch immer mehr Schäden (Totholzbildung) in den Baumkronen zur Folge. Dies gefährdet die Einwohner und führt auch zu einer massiven Zunahme der Kosten und des Aufwandes für die Verkehrssicherung.

Auch die Europäische Kommission hat diese globale Herausforderung erkannt und am 23.07.2019 eine umfassende Strategie zum Schutz der Wälder beschlossen. Durch nachhaltigeren Konsum innerhalb der EU, gezielte internationale Zusammenarbeit, bessere Informationen und eine Neuausrichtung von Finanzmitteln will sie die Gesundheit der bestehenden Wälder schützen und die Dichte der Flächen erhöhen, die von nachhaltigen Wäldern mit großer biologischer Vielfalt bewachsen sind.

Die Europäische Kommission hat fünf Prioritäten festgelegt:

  • Verringerung des Flächen-Fußabdrucks der EU und Förderung des Verbrauchs von Erzeugnissen aus entwaldungsfreien Lieferketten in der EU;
  • partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Erzeugerländern zur Verringerung des Drucks auf die Wälder und zur Sicherung der Entwicklungszusammenarbeit der EU gegen Entwaldung;
  • Stärkung der internationalen Zusammenarbeit, um Entwaldung und Waldschädigung zu stoppen und die Wiederherstellung der Wälder zu fördern;
  • Neuausrichtung der Finanzierung zur Unterstützung nachhaltigerer Landnutzungspraktiken;
  • Förderung der Verfügbarkeit und Qualität von Informationen über Wälder und Rohstofflieferketten, Sicherung des Zugangs zu diesen Informationen sowie Unterstützung von Forschung und Innovation.

Anmerkung:

Die von der EU-Kommission beschlossene Strategie ist zu begrüßen. Die mit dem Waldsterben einhergehenden Treibhausgasemissionen sind eine der wichtigsten Ursachen des Klimawandels. Wälder beherbergen global 80 Prozent der Artenvielfalt an Landlebewesen. Sie bilden die Existenzgrundlage von rund einem Viertel der Weltbevölkerung und sind für die Erreichung des Ziels des Pariser Klimaschutzabkommens, die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen, von entscheidender Bedeutung.

Daneben ist ein nachhaltiger Aktionsplan von Bund und Ländern notwendig, damit die Multifunktionalität der Wälder auch durch ein Mehr an Mischwald in Deutschland und der Fortbestand der „grünen Lungen“ innerhalb der Städte und Gemeinden ausgebaut und gesichert werden können. Notwendige Maßnahmen sind Aufforstungen durch dürreresistentere Bäume, die Pflanzung von mehr Mischwäldern, aber auch die Aufstockung von Personal in den Forstverwaltungen und eine deutliche Reduzierung des Rehwildbestandes, der eine Gefahr für neu angepflanzte Bäume darstellt. Für all diese Maßnahmen brauchen wir ein nachhaltiges und durchfinanziertes Programm mindestens für die nächsten zehn Jahre.

Zu begrüßen ist vor diesem Hintergrund die Forderung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner von Anfang Juli, ein Aufforstungsprogramm, das nach Schätzungen mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten wird, auf den Weg zu bringen. Ihrem Haus zufolge werden mehrere Millionen Bäume benötigt, um den Verlust von insgesamt 110.000 Hektar Wald auszugleichen. Bundeskanzlerin Angela Merkel will dafür Geld aus dem Energie- und Klimafonds zur Verfügung stellen.