TU München, Bundeswehr und Kommunen forschen gemeinsam zu Corona-Viren im Abwasser

kläranlage

Die Technische Universität München, der Sanitätsdienst der Bundeswehr, die Kommunen im Berchtesgadener Land sowie das dortige Landratsamt arbeiten gemeinsam an einem weiteren Forschungsprojekt, um einen möglichen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Pandemie zu leisten. Durch die Analyse von Coronaviren im Abwasser soll ein Frühwarnsystem zum Schutz der Bevölkerung entwickelt werden. Insgesamt werden dafür Proben an zehn Messstellen im Landkreis ausgewertet. Bereits in einem vorherigen Beitrag hatten wir über ein ähnliches Forschungsprojekt auf EU-Ebene berichtet, welches sich der Eindämmung von Corona durch „Water Fingerprinting“ widmet.

Weltweit wird nach neuen Methoden gesucht, um neben dem Testen von Einzelpersonen auf das Corona-Virus auch weitere Indikatoren und Anhaltspunkte zu finden, um ein Ausbruchsgeschehen schnell und verlässlich zu identifizieren. Denn viele infizierte Personen entwickeln glücklicherweise zwar wenig oder kaum Symptome, können das Virus jedoch – oftmals unbemerkt – an Risikogruppen weitergeben. Um die Infektionsketten bereits frühzeitig zu durchbrechen, suchen Wissenschaftler – neben dem strukturierten Testen von Risikopatienten, z. B. in Senioren- und Pflegeheimen – geeignete Frühwarnsysteme zum Schutz der Bevölkerung. An einem solchen Frühwarnsystem forscht die TU München in Kooperation mit dem Technologiezentrum Wasser (TZW) in Karlsruhe gemeinsam mit Epidemiologen der Bundeswehr nun im Landkreis Berchtesgadener Land. Erstmals in Deutschland werden flächendeckend Abwasserproben analysiert, die durch die Korrelation mit angeschlossenen Einwohnerzahlen sowie positiv bestätigten COVID-19-Fällen Aufschluss über das Infektionsgeschehen vor Ort geben.

Die Kommunen im Berchtesgadener Land, das Landratsamt und die Forscher ziehen hier gemeinsam an einem Strang. Finanziell wird das Projekt durch die Berchtesgadener Landesstiftung unterstützt, die 60 Prozent der anfallenden Kosten für die Probeentnahmen im Abwassersystem übernimmt, sowie durch das vom Bundesforschungsministerium geförderte Verbundvorhaben Biomarker CoV2.

Nach Angaben des Landkreises werden an insgesamt zehn Messstellen zwei Mal wöchentlich die Proben entnommen, so dass zeitnah mit den ersten Trends und Bewertungen zu rechnen ist. Wenn die erste Pilotphase erfolgreich verläuft, sollen weitere Messstellen im Landkreis folgen.

Die Marktgemeinde Berchtesgaden hat bereits vor dem landkreisweiten Projekt eigene Abwasserproben genommen. Seit Beginn der „zweiten Welle“ messe man in der örtlichen Kläranlage; mit der Technischen Universität München und der Bundeswehr habe man starke Partner für das kreisweite Projekt an der Seite.

Nach Angaben der Bundeswehr werden die Akteure flächendeckend ein Frühwarnsystem für das Transmissionsgeschehen in einem Landkreis in Verbindung mit einer strukturierten Teststrategie für Risikopatienten in Heimen für ein umfängliches Lagebild zusammenführen können und damit eine weitere datenbasierte Voraussetzung für die Implementierung von Maßnahmen schaffen. Dies sei ein entscheidender Schritt für das Vertrauen in ein transparentes, evidenzinformiertes Ausbruchsmanagement – wichtig sowohl für die Akzeptanz der Maßnahmen in der Bevölkerung als auch für die Touristen in der Region.

Am Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft der TU München werden die Abwasserproben genau analysiert. Durch diese annähernd flächendeckende Beprobung eines ganzen Landkreises könne fast die gesamte Bevölkerung erfasst werden und damit auch die infizierten Personen. Durch die Bestimmung der viralen RNA der Corona-Viren könne man den Verlauf des Infektionsgeschehens unmittelbar abschätzen. Dadurch sei man deutlich schneller, als wenn man auf die offiziellen Ergebnisse der Testungen warten müsse. Dennoch seien die Corona-Tests von Einzelpersonen, insbesondere der PCR-Test im kommunalen Testzentrum oder bei den Hausärzten, weiterhin absolut wichtig und notwendig. Denn das Abwasser-Monitoring könne das Infektionsgeschehen nur für größere Siedlungsbereiche anzeigen.

Weitere Informationen finden sich unter www.lra-bgl.de.