Interkommunale Zusammenarbeit;
Publikation zur Planungspraxis veröffentlicht

Bauplan

Unter Beteiligung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes hat das Institut für Städtebau und Wohnungswesen München/Berlin (isw) eine Publikation zum Thema „Planungspraxis regionaler Initiativen und interkommunaler Kooperation - Neue Materialien zur Planungspraxis“ erarbeitet.

Die Publikation zeigt, auf welche „Stellschrauben“ es ankommt und welchen Mehrwert die interkommunale Zusammenarbeit für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung unterschiedlich großer Städte und Gemeinden hat.

Als eine bewusste Alternative zu Privatisierungen führen immer mehr Kommunen die ihnen obliegenden Aufgaben im Wege interkommunaler Kooperationen durch. Die Aufgabenfelder sowie die Art und Weise der Kooperationen sind hierbei vielfältig: Sie reichen von regionalen Wohnungsbaustrategien über gemeinsame Gewerbegebietsausweisungen, der kulturellen Zusammenarbeit über den Zweckverband zur Wasserversorgung bis hin zu Projekten im Bereich Tourismus oder Regionalmarketing. Auch die Prozessgestaltung einschließlich der Bereiche Bürgerdienste, Einkauf, Personaldienstleistungen oder auch der Informationstechnologie rücken in den Fokus. Hierbei zeigt die kommunale Praxis eine institutionelle Vielfalt, die von der informellen Zusammenarbeit über gemeinsame Vereinbarungen, dem Zweckverband oder gemeinsamen Gesellschaften bis hin zu zivilgesellschaftlichen Initiativen reicht.

Mit der vorliegenden Veröffentlichung, die das erfolgreiche Format von Publikationen zur Planungspraxis deutscher Städte und Gemeinden fortsetzt, wird ein breites Spektrum unterschiedlicher Praxisbeispiele aufgezeigt. Die Veröffentlichung dient somit den an einer kommunalen Zusammenarbeit interessierten Akteuren nicht nur als Einstieg in das Thema, sondern zeigt viele gute Beispiele auf, die auch andernorts umsetzbar sind.

Bei Interesse kann die Publikation unter nachfolgendem Download-Link online abgerufen werden: www.isw-isb.de/service/fachliteratur/.

Interkommunale Zusammenarbeit - Sieben goldene Tipps aus der Praxis!

In einem Beitrag für die Zeitschrift KOMMUNAL hat Chefredakteur Christian Erhardt basierend auf der Publikation die sieben goldenen Regeln aus der Praxis dargestellt. Wir geben im Folgenden Auszüge wieder:

„Was bei allen Projekten auf den rund 250 Seiten der Publikation zur interkommunalen Zusammenarbeit auffällt: Es gibt nicht DIE EINE Idee, die funktioniert. Jedes Projekt ist anders und lebt von seinen Akteuren. Sieben Regeln lassen sich jedoch daraus immer wieder ablesen:

Regel 1 zur interkommunalen Zusammenarbeit: Wagen Sie Experimente
Die beschriebenen Projekte zeigen immer wieder, dass am Anfang meist eine Utopie steht, von der alle Seiten nicht wussten, ob es Überhaupt eine Chance auf Erfolg hat. Wer gleich ans Scheitern denkt, wird niemals beginnen und kann nichts Neues wagen.

Regel 2 zur interkommunalen Zusammenarbeit: Beginnen Sie mit kleinen Projekten
Kommunen, die vorher wenig miteinander gearbeitet haben, werden sich an dem einen großen Projekt schnell verheben, wenn die Strukturen nicht gelernt sind. Erste kleine Schritte, etwa gemeinsame Planung und Bearbeitung in einer Baubehörde können helfen.

Regel 3 zur interkommunalen Zusammenarbeit: Beginnen Sie informell
Projekte brauchen zwar manchmal am Ende eines Prozesses auch einen Vertrag, der kann aber nie mehr als den Rahmen bilden. Viel wichtiger ist, dass Absprachen zwischen den beteiligen Personen auch funktionieren, Papier ist bekanntlich geduldig. Die Erfahrung vieler Projekte zeigt, dass es anfangs informell leichter läuft und daraus im Laufe der Zeit eine formelle Zusammenarbeit entsteht.

Regel 4 zur interkommunalen Zusammenarbeit: Planen Sie Anfangs mehr Arbeit ein
Fast alle Projekte sind zunächst einmal zeitlich und teils auch finanziell aufwändig. Vor allem in der Kommunikation kommt erheblicher Aufwand auf Sie zu. Denn Sie müssen es schaffen, auch die Bürger mitzunehmen bei ihren Entscheidungen. Sonst kann interkommunale Zusammenarbeit nicht gelebt werden

Regel 5 zur interkommunalen Zusammenarbeit: Die Schlüsselrolle haben immer die Bürgermeister
Wie so oft im Leben läuft auch hier das Wichtigste über den persönlichen Draht von Menschen. Wenn das Projekt nicht direkt zwischen den Bürgermeistern besprochen und gelebt wird, kann es kaum gelingen, Verwaltung, Kommunalpolitik und Bürger mitzunehmen. Das Signal nach außen muss sein: „Unser Bürgermeister brennt für die Zusammenarbeit“.

Regel 6 zur interkommunalen Zusammenarbeit: Verzichten Sie auf Standortdiskussionen
Will man etwas gemeinsam machen, so muss klar sein, dass der Standort etwa einer neuen Einrichtung nicht immer auf dem eigenen Gebiet liegt. Es darf niemals darum gehen, in welchem Ort welche Einrichtung steht, sondern an welcher Stelle sie am sinnvollsten ist, unabhängig vom Ortsschild.

Regel 7 zur interkommunalen Zusammenarbeit: Projekte der öffentlichen Daseinsvorsorge sind besonders geeignet
Die in der Publikation genannten Projekte handeln fast immer von Dienstleistungen und Einrichtungen, die im Ort nicht mehr ausreichend vorhanden sind. Zielstellung gerade im ländlichen Raum war fast immer die Frage: „Wie verhindern wir Abwanderung, weil die öffentliche Daseinsvorsorge nicht mehr gewährleistet ist“. Je konkreter dieses Projekt ist, desto einfacher werden Sie Ihren Bürgern in der Kommunikation den Sinn und Zweck der Aktion vermitteln können.“

 

09.10.2020