Kritische Bedrohungslage für die IT-Sicherheit

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Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bewertet die Gefährdungslage im Cyberraum als „angespannt bis kritisch“. Dies geht aus dem Lagebericht 2021 des BSI hervor. Die Zahl der Cyberangriffe ist im Jahresvergleich weiter gestiegen. Cyber-Angriffe führen zu schwerwiegenden IT-Ausfällen in Kommunen, Krankenhäusern und Unternehmen. Sie verursachen zum Teil erhebliche wirtschaftliche Schäden und bedrohen existenzgefährdend Produktionsprozesse, Dienstleistungsangebote und Kunden. Die zunehmenden Cyberangriffe könnten sich als Hemmschuh bei der voraschreitenden Digitalisierung von Verwaltung, Bildung und Daseinsvorsorge erweisen.

Erheblicher Zuwachs an Schadprogrammen

Im Berichtszeitraum zwischen Juni des vergangenen Jahres und Mai dieses Jahres hat die Anzahl an Schadprogramm-Varianten zugenommen: Insgesamt wurden 144 Mio. neue Schadprogramm-Varianten festgestellt. Das ist ein Zuwachs von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Februar dieses Jahres wurden an einem Tag 553.000 Varianten entdeckt, mehr als jemals zuvor. Im Schnitt waren es täglich 394.000 neue Varianten.

Erpressungssoftware mit dramatischen Auswirkungen

Am Beispiel von erfolgreichen Ransomware-Angriffen wird deutlich, wie extrem sich mangelnde Informationssicherheit auf die kommunale Daseinsvorsorge auswirken kann: So musste sich ein Krankenhaus für 13 Tage von der Notfallversorgung abmelden. Immer öfter sind auch ganze Lieferketten von derartigen Angriffen beeinträchtigt, mit Folgen nicht nur für die Opfer, sondern auch für deren Kunden oder für andere unbeteiligte Dritte. Bei einem Angriff mit Ransomware werden die Systeme der Institution verschlüsselt und können nur mit einem bestimmten Schlüssel wieder entsperrt werden, der nur beim Angreifer liegt. Für den Fall, dass nicht gezahlt wird, drohen die Angreifer mit der Löschung aller Daten.

Cybersicherheit bei Digitalisierung mitdenken

Das BSI stellt im Lagebericht fest, dass gerade bei Digitalisierungsprojekten, welche schnell zum Erfolg geführt werden sollen, die Cybersicherheit nur rudimentär mitgedacht wird. Dies rächt sich im Endeffekt, wenn die Projekte in den Massenmarkt gehen oder aber Kommunen über Schwachstellen im System angegriffen werden.

Anmerkung:

Ob der Angriff auf den Landkreis Anhalt-Bitterfeld mit dem ersten Cyber-Katastrophenfall in Deutschland oder aber die jüngsten Angriffe auf Witten, Schwerin oder die Stadtwerke Wismar – die Kommunen rücken zunehmend in den Fokus der Angreifer aus dem Netz. Dabei zeigt sich, dass im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung und Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes dringend die IT-Sicherheit mitgedacht werden muss. Auch Smart-City und Smart-Country funktionieren nicht ohne Cybersicherheit. Diese wird in Zukunft zu einer noch wichtigeren Aufgabe, die Personal und Infrastruktur erfordert. Daneben braucht es Schulungen für die Beschäftigten und den fortlaufenden Austausch zwischen Kommunen und Land aber auch bundesweit, um aus den bisherigen Angriffen für die Zukunft zu lernen.

Die neue Bundesregierung wird hier gefordert sein, noch weitergehende Anstrengungen zu ergreifen, damit das BSI gut aufgestellt und in der Lage ist, die Kommunen in Sachen Cybersicherheit zu unterstützen. Daneben besteht eine besondere Verantwortung des Landes, das die Kommunen sowohl bei der Vorbereitung auf Cyberangriffe als auch im Falle eines Cyberangriffes unterstützen muss.

Für die Kommunen gilt, dass die Vorbereitung auf einen Ernstfall, nur erfolgreich ist, wenn dieser regelmäßig geübt wird und die Beschäftigten geschult sind.

Der Lagebericht des BSI ist unter www.bsi.bund.de abrufbar.

17.11.2021