Leben in ländlichen Regionen
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat eine repräsentative, deutschlandweite Umfrage zur Vielfalt der ländlichen und auch urbanen Regionen in Auftrag gegeben. Die Umfrage thematisiert, wie die Menschen in ländlichen Räumen ihre Lebensverhältnisse selber einschätzen.
Auf folgende wesentliche Ergebnisse ist hinzuweisen:
Laut der Umfrage sind 80 Prozent grundsätzlich zufrieden mit den Einkaufsmöglichkeiten, mit der hausärztlichen Versorgung sind es rund Dreiviertel der Befragten. Auch zeige die Umfrage, dass ländliche Regionen bei der Bevölkerung als Orte zum Leben und zur Erholung hoch im Kurs stünden, aber weniger als die Hälfte schätzten das Land als Arbeitsort. Zudem bezeichnen nur 61 Prozent der Befragten ihre Internetversorgung als gut oder sehr gut.
Mobilität: Der Individualverkehr spielt laut der Umfrage des BMEL auf dem Land nach wie vor eine große Rolle. Mehr als 80 Prozent nutzen danach in ländlichen Regionen Auto, Motorrad, Moped, Mofa; in Ballungsräumen sind es 70 Prozent. ÖPNV (Bus und Bahn) werden in Ballungsräumen von 71 Prozent genutzt, in eher ländlichen Räumen von 52 Prozent und in sehr ländlichen Räumen von 41 Prozent. Nur jeder Dritte in sehr ländlichen Regionen findet die Taktung des ÖPNV vor Ort gut, in Ballungsräumen sind es 65 Prozent.
Kommunikation: 89 Prozent aller Befragten halten eine gute Internet- und Mobilfunkversorgung im Alltag für wichtig. 63 Prozent empfinden ihren Handyempfang bei sich zu Hause als gut. In Ballungsräumen sind es 68 Prozent (Internet) und 73 Prozent (Handyempfang).
Arbeiten: 47 Prozent schätzen das Land als attraktiven Ort zum Arbeiten. In sehr ländlichen Regionen bewerten 54 Prozent das Arbeitsplatzangebot als gut oder sehr gut, in städtisch geprägten Regionen sind es 63 Prozent.
Leben/Erholung: Mehr als sieben von zehn Befragten betrachten ländliche Regionen als attraktiven Ort zum Leben. Zudem haben Dreiviertel der Menschen, die bereits in sehr ländlichen Regionen leben, den Wunsch, auch dort zu bleiben. Fast 90 Prozent aller Befragten schätzen ländliche Räume als attraktiven Erholungsort.
Anmerkung:
Die Verwendung digitaler Dienste setzt eine moderne, sichere digitale Infrastruktur in allen Teilen des Landes voraus. Die künftige Bundesregierung muss sich daher zu einem flächendeckenden Ausbau des Glasfasernetzes bekennen und einen Gigabit-Anspruch auch für ländliche Räume schaffen. Auch sollte der Bund prüfen, ob er neben finanziellen Hilfen die Länder bei der Umsetzung von Maßnahmen sowie der Koordinierung des Ausbaus unterstützen kann.
Bei der Debatte um die Verkehrswende muss stärker berücksichtigt werden, dass 50 Millionen Menschen in Deutschland in ländlichen Räumen leben. Auch wenn die Mobilität in ländlichen Gebieten nicht auf das Niveau der Metropolen angehoben werden kann, so ist ein Mindeststandard, der über den Schulbus hinausgeht, zu gewährleisten. Die künftige Bundesregierung muss daher einen „Deutschlandtakt“ für den ländlichen Raum entwickeln und ÖPNV- bzw. SPNV-Anbindungen für die Fläche verbessern, um durch gute Erreichbarkeit Ballungsräume zu entlasten und den ländlichen Raum zu stärken. Für die Mobilität der Menschen, aber auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland sowie die Lebens- und Wohnqualität auf dem Land bleibt der motorisierte Individualverkehr vielerorts bedeutsam. Auch muss die künftige Regierung den Ausbau der Elektromobilität und das Instrument der Pendlerpauschale verbessern und die finanzielle Unterstützung ausbauen.
Das Arbeiten war noch nie so attraktiv wie heute. Dennoch fehlt es gerade an verfügbaren digitalen Arbeitsplätzen. Der Bund muss daher das Thema Coworking weiterentwickeln und Projekte stärker unterstützen, die dazu beitragen, Leerstände wie etwa alte Bankgebäude in Dorfzentren wieder mit Leben zu füllen. Ebenso muss der Bund weitere Anschubfinanzierungen ermöglichen, um Maßnahmen der Ortsentwicklung weiter voranzubringen. Zudem müssen Verwaltungsstrukturen bzw. Forschungseinrichtungen des Bundes zukünftig noch stärker dezentral eingerichtet werden.
Die Ergebnisse der Umfrage können im Internet unter www.bmel.de, Themen, ländliche Regionen, abgerufen werden.