Leitfaden zu flexiblen Bedienformen im ÖPNV
Agora Verkehrswende, der DStGB und weitere Partner haben einen Leitfaden zu flexiblen Bedienformen im ÖPNV veröffentlicht. Darin wird umfangreich erläutert, unter welchen Bedingungen so genannte Linienbedarfsverkehre das ÖPNV-Angebot vor Ort verbessern können. Deutlich wurde im Rahmen des Projektes auch, dass die kommunalen Aufgabenträger für den Einsatz solcher zusätzlichen ÖPNV-Angebote Unterstützung von Bund und Ländern benötigen. Flexible Bedienformen könnten somit einen Beitrag zu mehr Klimaschutz, gleichwertigen Lebensverhältnissen und einer besseren Mobilität auf dem Land ermöglichen.
Flexible Bedienformen als Chance für den ÖPNV auf dem Land
Per App buchbare Sammelfahrten mit Kleinbussen können das Mobilitätsangebot in bestimmten Regionen maßgeblich verbessern. Vor allem in ländlichen Regionen, wo das ÖPNV-Angebot bislang nur gering ausgeprägt ist, können so genannte Linienbedarfsverkehre das vorhandene Angebot ergänzen und aufwerten. Durch flexible, virtuell festgelegte Haltepunkte und individuelle Abfahrtszeiten sowie durch kürzere Zugangs-, Warte- und Fahrtzeiten wären Qualitätssprünge im ÖPNV möglich. Das würde die Lebensqualität insbesondere der Menschen ohne Zugang zu einem Pkw im Haushalt erhöhen. Auch dienen die neuen Angebote u. a. dem Ziel der Bundesregierung, Erreichbarkeitsstandards in ländlichen Räumen zu etablieren.
Neuer Rechtsrahmen ermöglicht Einsatz flexibler Bedienformen
Seit der jüngsten Novelle des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) im Jahr 2021 kann Linienbedarfsverkehr als fester Bestandteil des ÖPNV eingeführt werden. Die Angebote sind dabei sowohl in das Tarifsystem des ÖPNV vor Ort zu integrieren (ggf. mit Aufschlägen) und müssen dabei Vorgaben und Pflichten des ÖPNV, etwa zur Barrierefreiheit, erfüllen. Zum Ausgleich können Anbieter des Linienbedarfsverkehrs Zuschüsse vom ÖPNV-Aufgabenträger erhalten, da sich die Verkehrsform in der Regel nicht ohne staatliche Zuschüsse betreiben lässt.
Studie zeigt exemplarisch, was die Verkehrsform leisten kann
Teil des Projektes ist auch ein Faktenblatt, welches bereits vorhandene Beispiele in ganz Deutschland aufzeigt. Nach zahlreichen Modellprojekten in den vergangenen Jahren ist die regelhafte Einführung der Angebote in vielen Regionen geplant, stößt jedoch auch an finanzielle Hürden. Der umfangreiche Leitfaden gibt Hinweise zur Organisation und Einführung von Bedarfsverkehren, die sich aus einer Simulation und den Erfahrungen in bestehenden Angeboten in Deutschland ableiten. Er soll zudem ÖPNV-Aufgabenträgern sowie verkehrspolitischen Akteuren aufzeigen, wie die Integration solcher flexiblen Bedienformen als Teil eines insgesamt wachsenden Nahverkehrsangebots ausgestaltet werden kann. Simulationen veranschaulichen die räumlichen Einsatzmöglichkeiten von Bedarfsverkehren und erlauben eine Abschätzung des Ressourcenbedarfs und der Möglichkeiten einer Verknüpfung mit dem Linienverkehr anhand dreier unterschiedlicher Beispielregionen.
Letztlich muss jede Region individuell ein zweckmäßiges ÖPNV-Gesamtkonzept entwickeln. Die im Leitfaden aufgezeigten Beispiele versuchen, die Bandbreite und Einsatzmöglichkeiten aufzuzeigen und stets einen Gleichklang aus der Wirtschaftlichkeit der Verkehrsleistung, der Angebotsqualität für die Fahrgäste und der Klimaverträglichkeit des Gesamtverkehrs zu erreichen.
Anmerkung:
Das Projekt der Projektpartner Agora Verkehrswende, Deutscher Landkreistag, Deutscher Städte- und Gemeindebund (DStGB) und Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) wurde mit der PTV Group als ausführendem Projektpartner durchgeführt. Analysiert wurde anhand von Beispielregionen, unter welchen Rahmenbedingungen und mit welchem Ressourceneinsatz Linienbedarfsverkehre verkehrliche Effekte wie den Umstieg auf den ÖPNV auslösen. Hierbei wurde deutlich, dass neben den Chancen auch Herausforderungen wie die Finanzierung oder der teils hohe Fahrzeugeinsatz stehen. So hat die Verbesserung und Verdichtung klassischer ÖPNV-Verkehre oder beispielsweise die Einführung von Taktverkehren in bestimmten Konstellationen deutliche Vorteile und ist für die Aufgabenträger wirtschaftlicher darstellbar. Gerade bei steigender Verkehrsnachfrage kommen die Dienste mit Kleinbussen auch an Grenzen (hoher Personal- und Fahrzeugbedarf).
Gerade für dünn besiedelte Regionen mit disperser Siedlungsstruktur kann Linienbedarfsverkehr aber für die Grunderreichbarkeit des öffentlichen Verkehrs zum Game Changer werden. Klar ist, die kommunalen Aufgabenträger können die zusätzlichen Angebote nicht gänzlich selbst finanzieren. Um maßgebliche Verbesserungen des ÖPNV auch auf dem Land zu erreichen, braucht es neben einem rabattierten Deutschlandticket vor allem den Ausbau der Angebote. Linienbedarfsverkehre stellen hierbei einen zukunftsweisenden Baustein dar.
Weitere Informationen
Der Leitfaden sowie das Faktenblatt sind abrufbar unter: https://www.dstgb.de/themen/mobilitaet/oepnv/leitfaden-flexible-bedienformen-im-oepnv/