Modellprojekt „Kommunale Fachberatung – Prävention und gesellschaftlicher Zusammenhalt“
Aufmärsche von Querdenkern, Mobilisierung rechtsextremer oder islamistischer Gruppierungen, Radikalisierung junger und älterer Menschen bis hin zur Gewalt: Diese Phänomene fördern Polarisierung und fordern den gesellschaftlichen Zusammenhalt heraus – insbesondere vor Ort in den Kommunen. Die Kommunalverwaltungen und die dort tätigen Fachkräfte haben jedoch in der Regel mit begrenzten Ressourcen zu kämpfen, was gelingende Präventionsarbeit erschweren kann. Seit Anfang des Jahres 2023 unterstützt das Modellprojekt „Kommunale Fachberatung: Prävention und gesellschaftlicher Zusammenhalt“ bundesweit Fachkräfte in Verwaltungen von Städten, Gemeinden und Landkreisen dabei, multiprofessionelle Strukturen sowie gelingende Angebote kommunaler Präventionsarbeit gegen Radikalisierung und für gesellschaftlichen Zusammenhalt weiterzuentwickeln.
Die Kommunale Fachberatung ist ein bundesweites Projekt der Vereinigung Pestalozzi und Teil des Legato-Projektverbunds und hat eine geplante Laufzeit bis Dezember 2025. Gefördert wird die Projektarbeit seit Januar 2023 aus Mitteln der Beratungsstelle Radikalisierung im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Das Projekt wird durch einen fachlichen Beirat begleitet, der auch vom Deutschen Städte- und Gemeindebund unterstützt wird.
Das Angebot umfasst drei Bausteine, ist vertraulich und kostenlos:
- Eine prozessbegleitende, bedarfsorientierte Fachberatung bei der die kommunale Fachkraft und ihre jeweiligen Anliegen im Fokus stehen. Zum Beispiel: Wie lassen sich Fortbildungs-Angebote und Projekte passgenauer gestalten? Wie können Kollegen in Kommunalverwaltungen mitgenommen werden? Was sind innovative Methoden, um hochgesteckte Ziele zu erreichen? Gestartet ist das Projekt mit Fachberatungsprozessen zunächst in sechs Kommunen, unter anderem in Thüringen, Hessen und Niedersachsen. Die Fachberatung erfolgt digital und in Präsenz und nach Möglichkeit durch zwei Fachberater. Findet einer der laufenden Beratungsprozesse einen Abschluss, können weitere Kommunen dazu stoßen. Kommunen sind aufgerufen, bei Interesse gerne das Projektteam zu kontaktieren (siehe unten).
- Eine praxisorientierte Fortbildung im „blended-learning“ Format. Die Fortbildung richtet sich ebenfalls an Fachkräfte in Kommunalverwaltungen und behandelt vertiefend und praxisnah Fragen und gute Praktiken kommunaler Radikalisierungsprävention. Einschlägige Experten aus der kommunalen Praxis, Wissenschaft und Zivilgesellschaft arbeiten mit den max. 20 Teilnehmern in Präsenz und digital. Die Fortbildung startet im Januar 2024 und endet im September 2024. Die Ausschreibung erfolgt im Herbst 2023. Nähere Informationen gibt es beim Projektteam.
- Ein regelmäßiges Online-Format zum kollegialen Praxisaustausch (Intervision). Praxisentwicklung bedarf nicht zuletzt des fokussierten Austausches unter Kollegen. Ab Oktober 2023 startet ein moderiertes Intervisionsangebot, in dem die Teilnehmer niedrigschwellig und in einem geschützten Raum die kleinen und großen Herausforderungen des Alltags diskutieren, ihre Erfahrungen austauschen und einander konkret unterstützen können. Bei Interesse steht auch dazu das Projektteam mit weiteren Informationen bereit.
Das Modellprojekt lebt von der Zusammenarbeit eines sechsköpfigen, multiprofessionellen Teams mit Erfahrungen in den Bereichen Wissenschaft, Kommunalverwaltung und Radikalisierungsprävention in der Praxis und arbeitet an den Standorten Berlin, Hamburg und Osnabrück.
Weitere Informationen: www.kommunale-fachberatung.de. Das Team ist erreichbar unter fachberatung@vereinigung-pestalozzi.de.