Nationale Wasserstoffstrategie vom Bundeskabinett beschlossen
Das Bundeskabinett hat am 10. Juni 2020 die Nationale Wasserstoffstrategie beschlossen. Danach sollen neun Milliarden Euro für die Weiterentwicklung der Technologie, Anlagen und Fahrzeuge eingesetzt werden. Bis spätestens 2040 sollen Elektrolyse-Kapazitäten von zehn Gigawatt geschaffen werden. Dies entspricht einer Energieleistung von zehn Atomkraftwerken. Deutschland soll laut dem Bundeskabinett zum modernsten Ausrüster von Wasserstofftechnik in der Welt werden. Geplant ist laut Bundesregierung der Aufbau einer groß angelegten Wasserstoffproduktion in Deutschland in Zusammenarbeit mit Partnerstaaten wie Marokko wo die Wetterbedingungen für die Wasserstoffproduktion ideal sind. Der Einsatz von Wasserstoff soll neben der Industrie auch im Verkehrssektor gefördert werden. Der Fokus liegt hierbei auf grünem Wasserstoff, welcher aus erneuerbaren Energien hergestellt wird.
Um den Einsatz der Wasserstoff-Technologie auch in Deutschland im Industriemaßstab zu demonstrieren, sollen bis 2030 industrielle Produktionsanlagen einschließlich der dafür erforderlichen Offshore- und Onshore-Energiegewinnung entstehen. Neben der Prüfung, ob die Wasserstoffproduktion über Ausschreibungen von Elektrolyseleistungen gefördert werden kann, soll der Umstieg von Entwicklung und Prozessumstellung gefördert werden. Dabei soll bei den Fördermaßnahmen darauf geachtet werden, dass alle Regionen Deutschlands von den neuen Wertschöpfungspotenzialen der Wasserstoffwirtschaft profitieren. Die Umstellung wird sowohl über Investitionszuschüsse in neue Anlagen als auch über ein neues Pilot-Programm zur Unterstützung des Betriebes von Elektrolyseanlagen auf Basis des Carbon Contracts for Difference-Ansatzes gefördert werden. Des Weiteren wird die Förderung von „Wasserstoff-ready“-Anlagen über das KWK-Gesetz geprüft.
Aktionsplan der Wasserstoffstrategie
Die Nationale Wasserstoffstrategie enthält einen Aktionsplan mit 38 Maßnahmen in den Handlungsfeldern:
- Erzeugung von Wasserstoff
- Anwendungsbereiche (Verkehr, Industrie, Wärme)
- Infrastruktur/ Versorgung
- Forschung, Bildung, Innovation
- Europäischer Handlungsbedarf
- Internationaler Wasserstoffmarkt.
Die im Aktionsplan beschriebenen Maßnahmen bilden die erste Phase der Strategie ab, in der bis 2023 der Markthochlauf und Grundlagen für einen funktionierenden Heimatmarkt angestoßen werden sollen.
Anmerkung:
Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie wird die Energiewende in den Kommunen nur bedingt vorangebracht. Die Wasserstofftechnologie verbindet viele Vorteile. Bspw. wird künftig eine Abregelung von Windkraftanlagen verhindert, da überschüssiger Strom als Grünes Gas umgewandelt werden kann und z. B. für Elektrobusse im ÖPNV regional verbraucht werden kann. Gleichzeitig steigt der Anteil CO2-neutraler Brennstoffe. Dies wird die Stickstoffbelastung insbesondere in urbanen Regionen spürbar verringern. Insofern kann positiv festgehalten werden, dass eine technologieoffene Verkehrswende jetzt möglich erscheint.
Mit Blick auf den Verkehrssektor bedeutet die Wasserstoffstrategie unter anderem eine Förderung zur Beschaffung von Wasserstoff- bzw. Brennstoffzellenfahrzeugen und damit ein Beitrag zur Umsetzung der Clean Vehicles Directive (CVD), welche Quoten zur Beschaffung von Null-Emissions-Fahrzeugen im kommunalen Verkehr vorgibt. Darüber hinaus sind weitere Förderungen im Zuge des Infrastrukturaufbaus wie einer bedarfsgerechten Tankinfrastruktur zu erwarten.
Gerade auch für ländliche Räume sollte Wasserstoff eine wichtigere Rolle spielen. Zum einen wird dort die meiste erneuerbare Energie produziert. Zum anderen dürfte die Wasserstofftechnologie bei großen Reichweiten hier eine Alternative zum Elektroantrieb sein. Die Energiewirtschaft hat die Anwendungsmöglichkeiten des Energieträgers Wasserstoff für einen erfolgreichen Klimaschutz und zur Sicherung des Technologiestandorts Deutschland schon länger im Fokus. In vielen Kommunen haben Stadtwerke bzw. Zweckverbände bereits eigene Wasserstoffstrategiepläne entwickelt. Insofern ist es unverständlich, dass die Wasserstoffstrategie des Bundes kaum auf die zentrale Wasserstofferzeugung eingeht. Denn die regionale bzw. lokale Wasserstoffproduktion erlaubt einen kommunalen Anteil zur Systemstabilität und Versorgungssicherheit des deutschen Stromnetzes. Insbesondere würde eine zentrale Wasserstofferzeugung lokales Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze sowie Steuereinnahmen generieren. Zwar sind Importe aus Partnerländern wie Marokko aktuell wirtschaftlicher, dennoch sollte auch der heimische Energiemarkt und die örtliche sowie die regionale Wertschöpfung Teil der Nationalen Wasserstoffstrategie sein.