Nationaler Waldgipfel - 800 Mio. Euro Nothilfe für den Wald
Auf dem Nationalen Waldgipfel am 25. September 2019 in Berlin hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner 800 Mio. Euro Nothilfen für den Wald angekündigt. Diese sollen in den kommenden vier Jahren für den Schutz und die Aufforstung der Wälder zusätzlich zur Verfügung stehen. 547 Mio. Euro soll der Klimafonds des Bundes beitragen. 478 Mio. Euro sollen davon in die Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) fließen, weil sie in enger Abstimmung mit den Ländern eingesetzt und zu 40 Prozent kofinanziert werden sollen.
Die Gelder sollen für die Umsetzung des Eckpunkte- und Maßnahmenpapiers „Deutschlands Wald im Klimawandel“ verwendet werden, dass Klöckner als Diskussionsgrundlage vor etwa 200 Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Cluster Forst & Holz und Naturschutz vorstellte. Kernpunkte sind 13 Maßnahmen, mit denen die Ministerin den Waldbesitzern bei der Schadensbewältigung helfen und die Wälder an den Klimawandel anpassen will.
Das elfseitige Diskussionspapier beinhaltet folgende Maßnahmen:
- Aktuelle Schäden begrenzen, Schadholz beseitigen und Verkehrssicherungspflicht
beachten - Holztransport und -lagerung regional abstimmen und ausbauen
- Geschädigte Flächen wiederbewalden und die Wälder insgesamt stärker an den Klimawandel anpassen
- Schalenwilddichten anpassen
- Wegenetze, allgemeine Infrastruktur zum Schutz der Wälder sowie Löschteiche instand halten
- Klein-/Privatwald unterstützen
- Qualifiziertes Fachpersonal und Arbeitsplätze sichern
- Forschung zu Wald und Klima weiter ausbauen
- Monitoring zu Waldschäden ausbauen
- Das Forstschäden-Ausgleichsgesetz überprüfen und anpassen
- Die klimafreundliche Verwendung von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stärken
- Europäische und internationale Zusammenarbeit im Bereich der nachhaltigen Forstwirtschaft stärken
- Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Wald stärken
Anmerkungen:
Die Zusage des Bundeslandwirtschaftsministeriums über Mittel in Höhe von 800 Mio. Euro für die nächsten vier Jahre ist zu begrüßen. Angesichts der dramatischen Schäden geht die Forderung des Deutsche Städte-und Gemeindebund (DStGB) und des Gemeinsame Forstausschusses der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände „Deutscher Kommunalwald“ jedoch weiter. Es bedarf eines durchfinanzierten Förderprogramms für mindestens zehn Jahre. Staat, Kommunen und Waldbesitzende stehen vor einer Generationenaufgabe und brauchen langfristige Planungssicherheit.
Stürme, Dürre, extreme Hitze und Dürre haben in den vergangenen zwei Jahren den Wäldern schwere Schäden zugefügt. Die geschädigten und wieder zu bewaldenden Flächen beziffert das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) inzwischen auf 180.000 Hektar. Das entspricht einer Fläche von 250.000 Fußballfelder. Damit ist der Schaden weit größer als bisher angenommen. Noch im April 2019 war das BMEL von 110.000 Hektar Schadensfläche ausgegangen. Forstschutzexperten gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Waldkrise erst noch bevorsteht und in den Folgejahren mit weiteren Verlusten im Baumbestand zu rechnen ist.
Die auf dem Nationalen Waldgipfel vorgestellten Eckpunkte und Maßnahmen geben eine wichtige Orientierung für die Waldbesitzenden, um die akuten Schäden zu bewältigen, geschädigte Wälder wieder zu bewalden und die Wälder an den Klimawandel anzupassen. Wesentliche Forderungen des Gemeinsamen Forstausschusses „Deutscher Kommunalwald“ hat das BMEL in den Maßnahmenplan mit aufgenommen, darunter die Berücksichtigung nicht-heimischer Baumarten bei der Wiederbewaldung, bundesweites Monitoring zu Waldschäden, Waldbrandprävention, die verstärkte Verwendung von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, Forstschäden-Ausgleichsgesetz fit für die Zukunft machen und Aufstockung des forstlichen Fachpersonals.
Nachbesserungen hat der Vorsitzende des Gemeinsamen Forstausschusses „Deutscher Kommunalwald“, Dr. Karl-Heinz Frieden, Geschäftsführer des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz, auf dem Nationalen Waldgipfel bei der CO2-Bepreisung gefordert. Für den DStGB und den Gemeinsamen Forstausschuss „Deutscher Kommunalwald“ ist die Einführung einer „Klimaschutz-CO2-Bindungsprämie“ ein zentraler Punkt.
Link zum Diskussionspapier zum Nationalen Waldgipfel am 25.09.2019 „Deutschlands Wald im Klimawandel - Eckpunkte und Maßnahmen“:
https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/Wald-Jagd/Wald_Diskussionspapier.pdf?__blob=publicationFile
Link zur Rede von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf dem Nationalen Waldgipfel am 25.09.2019:
https://www.bmel.de/DE/Wald-Fischerei/Forst-Holzwirtschaft/_texte/Wald-Trockenheit-Klimawandel.html
Als Textversion:
https://www.bmel.de/SharedDocs/Reden/2019/190925-Waldgipfel.html;jsessionid=7BF79E4D0CCAEB7D60D3A386B4903CEE.1_cid376