Polizeiliche Kriminalstatistik 2018: Zahl der Straftaten ist die niedrigste seit 1992
Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2018 zeigt ein positives und zugleich widersprüchliches Bild: Während die Zahl der in Deutschland verübten Straftaten weiter auf knapp 5,55 Millionen gesunken ist und die Aufklärungsquote leicht steigt, wächst das Unsicherheitsgefühl der Bürger/innen und weicht damit von der objektiven Sicherheitslage ab. Vor allem die Zahl der Wohnungseinbrüche und Diebstahldelikte ist auf ein historisches Tief gesunken. Immer mehr Taten bleiben im Versuchsstadium stecken. Dies ist zu begrüßen und zeigt, dass verstärkte Sicherheitsmaßnahmen von Bund und Ländern in dem Bereich greifen. Mit großer Sorge ist dagegen die massiv angestiegene Zahl der Übergriffe auf Polizei-, Vollstreckungs- und Rettungskräfte zu beobachten. Hiervon sind auch Ehrenamtliche, Kommunalpolitiker und kommunale Beschäftigte betroffen. Ein starker Rechtsstaat muss diesen Entwicklungen deutlicher und effektiver entgegengetreten, um die Betroffenen, die sich tagtäglich für den Schutz der Bürger/innen und die Demokratie einsetzen, besser zu schützen. Die Ergebnisse zeigen, dass Deutschland eines der sichersten Länder der Welt ist und bleibt. Zugleich besteht Handlungsbedarf, um das Vertrauen der Bürger in den sie schützenden Rechtsstaat wieder zu stärken. Dies verlangt mehr Personal bei Polizei und Justiz, eine stärkere Präsenz der Polizei sowie mehr Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen.
Die Ergebnisse der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2018 lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Zahl der in Deutschland verübten Straftaten ist die niedrigste seit 1992
Die Zahl der in Deutschland verübten Straftaten ist weiter auf 5,55 Millionen Fällen gesunken. Ohne Berücksichtigung der rein ausländerrechtlichen Verstöße wurden 5.392.457 Straftaten erfasst, ein Rückgang um 3,4 Prozent im Vergleich zum Jahr 2017. Die Aufklärungsquote ist um 0,8 Prozent auf 56,5 Prozent gestiegen.
Die Mehrheit der Tatverdächtigen ist mit 75,7 Prozent männlich. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen an allen Tatverdächtigen beträgt - wie im Vorjahr - etwa 30 Prozent, ist aber deutlich gegenüber dem Vorjahr gesunken.
Wohnungseinbruchs- und Diebstahlsdelikte auf einem historischen Tief
Gewaltdelikte, aber vor allem Wohnungseinbruchs- und Diebstahlsdelikte sind besonders stark gesunken. Die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle hat mit 97.500 Fällen ein historisches Tief erreicht und ist gegenüber dem Vorjahr noch einmal um 16,3 Prozent gesunken. Den höchsten prozentualen Rückgang bei den Einbrüchen gab es 2018 in Bremen/Bremerhaven, Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Einen Anstieg hatten dagegen das Saarland und Sachsen-Anhalt zu verzeichnen. Der Anteil der Tatversuche steigt weiter und liegt bei über 45 Prozent. Die Aufklärungsquote der Einbruchstaten ist mit 18,1 Prozent dagegen weiterhin gering. Auch der Taschendiebstahl und Ladendiebstahl sank weiter um 18,2 Prozent und 4,1 Prozent gegenüber 2017 ab.
Massive Zunahme von Straftaten gegen Polizei- und Vollstreckungsbeamte, Feuerwehr und Rettungskräfte
Stark zugenommen haben Delikte gegen staatliche Bedienstete, Feuerwehr und Rettungskräfte um 39,9 Prozent (34.168 Fälle). Im Schnitt wurden diese bis zu 100 Mal pro Tag tätlich oder verbal angegriffen und bei ihrer Arbeit behindert. Die hohe Zahl liegt auch an der statistischen Präzisierung der Straftaten und den neuen und verschärften Straftatbeständen des §§ 113, 114 StGB. Angestiegen sind darüber hinaus Rauschgiftdelikte, Verstöße gegen das Waffenrecht sowie die Verbreitung pornografischer Schriften.
Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger weicht deutlich von der objektiven Sicherheitslage ab
Das Sicherheitsgefühl der Bürger/innen weicht dagegen deutlich von der objektiven Sicherheitslage ab. Erstmals hat das Bonner Institut „infas“ im Auftrag des Bundeskriminalamtes eine gesonderte Befragung neben der Kriminalstatistik veröffentlicht, mit der die Dunkelziffer von Straftaten und die gefühlten Unsicherheiten und Ängste der Bürger/innen erfasst und der Kriminalstatistik gegenüber gestellt werden können. Die Befragung von rund 31.000 Bürger/innen über 16 Jahren zeigt, dass das Unsicherheitsgefühl, insbesondere im Wohnumfeld, zwischen 2012–2017 um über 21 Prozent angestiegen ist. In Ostdeutschland und bei der Gruppe von Migrantinnen und Migranten ist das Unsicherheitsgefühl besonders hoch. Insgesamt gibt es eine große Sorge vor möglichen terroristischen Bedrohungen. Das Vertrauen in die staatlichen Organe (Effektivität und Verlässlichkeit der Polizei) wird dagegen von dem größten Teil der Befragten grundsätzlich bejaht.
Zahlen politisch motivierter Straftaten im Jahr 2018 wurden mit der Polizeilichen Kriminalstatistik 2018 noch nicht veröffentlicht.
Die vollständigen Berichte, Grafiken sowie Kurzübersichten über bundesweite Fallzahlen und einzelne Deliktsbereiche der Polizeilichen Kriminalstatistik 2018 sind auf der Internetseite des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat unter www.bmi.bund.de und auf der Internetseite des BKA unter www.bka.de abrufbar.
Anmerkung:
Die aktuelle Kriminalstatistik zeigt: Deutschland ist eines dersichersten Länder der Welt. Der Rückgang der Zahl der Wohnungs- und Geschäftseinbrüche setzt sich deutlich fort und landet auf einem historischen Tief. Das ist eine erfreuliche Entwicklung und zeigt, dass Maßnahmen von Bund und Ländern sowie eigene Schutzvorkehrungen der Bürger greifen. Grund zur Entwarnung gibt es jedoch nicht. Das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung weicht auch im Jahr 2018 deutlich von der objektiven Kriminalitätslage ab. In Teilen der Bevölkerung gibt es ein tiefes Gefühl der Verunsicherung und Sorge, etwa davor, an bestimmten Orten Opfer einer Straftat zu werden. Diese Entwicklung muss ernst genommen und darauf mit mehr Personal bei Polizei und Justiz, einer stärkeren Präsenz der Polizei sowie mehr Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen reagiert werden. Darüber hinaus ist die Zahl der Übergriffe auf Polizei-, Vollstreckungs- und Rettungskräften massiv gestiegen. Mit großer Sorge ist zu beobachten, dass der Hass, die Aggressivität und Gewalt gegenüber den staatlichen aber auch kommunalen Bediensteten, Kommunalpolitikern und ehrenamtlichen Helfern weiter zunimmt und mancherorts schon zum traurigen Normalzustand wird. Dies gefährdet die lokale Demokratie und unser gesamtes demokratisches Staatswesen. Ein starker Rechtsstaat muss diesen Entwicklungen deutlich und effektiv entgegengetreten, damit das Vertrauen in diesen Staat keinen weiteren Schaden nimmt und die Betroffenen, die sich tagtäglich für den Schutz der Bürgerinnen und Bürger und die Demokratie einsetzen, besser geschützt werden. Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Homophobie und Antisemitismus haben in unserem Land keinen Platz. Derartige Vorfälle müssen strafrechtlich geahndet werden können und konsequent verfolgt werden. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist heute je nach Bundesland und Kommune zudem immer noch hoch. Viele Taten bleiben dagegen im Versuchsstadium stecken. Die Aufklärungsquote ist jedoch in den letzten zehn Jahren von 19,6 auf nun 18,1 Prozent gesunken und damit weiterhin gering. Zudem ist auch die organisierte Einbruchs- und Bandenkriminalität weiterhin auf einem hohen Niveau. Hierauf muss das Land reagieren und Hand in Hand mit den Kommunen zusammenarbeiten.