Studie zeigt enormen Fahrermangel im ÖPNV auf
Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in den Kommunen hat eine wesentliche Rolle für das Erreichen der Pariser Klimaziele. Aktuell werden nach der Studie, die durch das Beratungsunternehmen KCW im Auftrag von Klima-Allianz und ver.di durchgeführt wurde, die Folgen des Investitionsstaus im ÖPNV und des akuten Arbeits- und Fachkräftemangels spürbar, insbesondere im Fahrdienst. Dies führt schon heute zu Fahrtausfällen und schränkt den Spielraum für dichtere Taktungen und den Ausbau der Verkehrsangebote ein. Die Kurzstudie ermittelt erstmalig für den Status quo und für ein ÖPNV-Angebot mit doppelt so hoher Nachfrage, wie viel Personal insgesamt benötigt und wie viele Stellen neu besetzt werden müssen.
Vorhandene Personallücke wird sich weiter vergrößern
Allein zur Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Angebots (Stand 2022) tut sich bei unveränderten Arbeitsbedingungen eine Personallücke von 60.500 bis 65.500 Fahrerinnen und Fahrern bis 2030 auf. Das sind knapp 50 Prozent aller Beschäftigten (2022). Hierbei handelt es sich lediglich um den Bedarf, um Fahrerinnen und Fahrer zu ersetzen, die altersbedingt in den Ruhestand gehen oder den Beruf aus anderen Gründen verlassen. Bis 2035 erhöht sich diese Zahl auf 85.000 bis 91.500 Personen.
Noch größer sind die Herausforderungen vor dem Hintergrund des von Bund und Ländern formulierten – wichtigen und ambitionierten – Ziels einer Verdopplung der Fahrgastnachfrage bis 2030. Um ein Angebot zu schaffen, das die Beförderung doppelt so vieler Fahrgäste erlaubt, sind etwa 68 Prozent mehr Fahrerinnen und Fahrer zusätzlich notwendig. Bei gleichbleibenden Arbeitsbedingungen entspricht das weiteren 84.000 bis 90.000 Fahrdienststellen. Hierfür fallen zusätzliche Personalkosten von 3,7 Mrd. bis 4,4 Mrd. Euro jährlich an.
Fachkräftemangel muss adressiert werden
Um diese Stellen besetzen zu können, wird laut den Auftraggebern der Studie die Attraktivität der Arbeitsplätze eine zentrale Rolle spielen. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist somit ein untrennbarer Teil der Herausforderung. Die Zahlen machen deutlich, dass die Politik und die ÖPNV-Branche jetzt aktiv werden müssen, um einem Personalmangel im ÖPNV entgegenzuwirken. Will man die heutige Qualität des ÖPNV aufrechterhalten, die Attraktivität des Berufes erhöhen, Stellen schneller besetzen, Mitarbeiter halten und eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen umsetzen, müssen die Kommunen und die ÖPNV-Branche mit deutlich mehr Mitteln ausgestattet werden, so Klima-Bündnis und ver.di.
Anmerkung:
Die Studie zeigt auf, wie sich der bereits heute dramatische Fachkräftemangel weiter verschärfen wird, sollte die Politik nicht gegensteuern. Hierbei bedarf es vielseitiger Aktivitäten aller Akteure. Grundlage ist eine sichere ÖPNV-Finanzierung, die den Unternehmen eine langfristige Perspektive auch für ihre Personalplanung gibt. Zudem müssen in Ausbildung, Anwerbung und letztlich gute Arbeitsbedingungen investiert werden. Hierzu braucht es eine verlässliche Finanzierung.