Studie zur Zukunft der Daseinsvorsorge
Das Kompetenzzentrum öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge (Kowid) an der Universität Leipzig hat in einer aktuellen Studie die Frage beleuchtet, welche Bereiche der kommunalen Daseinsvorsorge künftig besonders für eine optimale Infrastrukturversorgung der Bürgerinnen und Bürger relevant sind. Ein zentrales Ergebnis ist, dass die beim Betrieb von kommunaler Infrastruktur gewonnenen Daten und ihre Vernetzung mit weiteren, insbesondere städtischen Bereichen, eine besondere Bedeutung hat. Als Anwendungsbeispiele werden die bessere Koppelung der Sektoren, aber auch Smart City- und Smart Country-Projekte genannt. Zugleich wird in der Studie dafür geworben, die beim Infrastrukturbetrieb gewonnenen Daten in eigenen kommunalen Plattformen zu nutzen. Anderenfalls droht die Gefahr, dass die Kommunen die Hoheit über diese Daten verlöre zugunsten großer Technologiekonzerne wie Google oder Amazon.
Wesentliche Ergebnisse der Studie
- Wesentliches Ziel der Autoren der Studie war es, daseinsvorsorgerelevante Bereiche der Zukunft für eine optimale Infrastrukturversorgung der Bürger zu identifizieren. Als Themenfeld werden die Digitalisierung und die Klimafolgenanpassung genannt. Auch sei der Transformationsprozess in der Daseinsvorsorge von besonderer Bedeutung, da die Digitalisierung sämtliche Lebensbereiche durchdringe und damit eine prägende Rolle für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik einnehme. Bei der Transformation käme es darauf an, neben einer leistungsfähigen und flächendeckenden digitalen Infrastruktur eine sinnvolle Erweiterung des Aufgabenspektrums der Daseinsvorsorge zu erreichen.
- In ländlichen Räumen führe die demographische Entwicklung bereits heute zu spürbaren Veränderungen der Infrastrukturausstattung. Deshalb müsse auch im Rahmen der Digitalisierung nach Lösungsansätzen gesucht werden, um effiziente Strukturen, die auch zukünftig ein ausreichendes Leistungsangebot mindestens in Kernbereichen der Daseinsvorsorge ermöglichen, zu entwickeln. In urbanen Räumen hingegen würde es zu Verdichtungsprozessen im Zuge von Bevölkerungszuwächsen kommen, die zu erhöhten Infrastrukturbedarfen führen würden. Als Beispiel wird ein steigendes Verkehrs- und Mobilitätsaufkommen genannt. Gerade in angespannten Wohnungsmärkten würde bezahlbarer Wohnraum weiter in den Fokus geraten. Anders als in ländlichen Räumen würden jedoch urbane Regionen aufgrund der räumlichen Nähe vielfältige Potenziale zu sektorenübergreifenden Lösungen anbieten. Im Zuge der Kopplung von Infrastrukturen könnten Synergien zwischen inter- und intrasektoralen Funktionen geschaffen bzw. genutzt werden, wie etwa die Erschließung neuer Energiequellen durch eine Kopplung von Wärmeerzeugung mit Abwasser- und Serverwärme, in der Quartiersentwicklung oder der Urbanen Mobilität. In diesem Zusammenhang könnten auch öffentlich-private Partnerschaften zielführend sein.
- Insbesondere digitale Plattformen hätten laut Experten einen enormen Bedeutungszuwachs erfahren und seien für das Wirtschaftssystem insgesamt besonders prägend. Ihnen käme die Rolle der „Basisinfrastruktur“ der digitalen Gesellschaft zu. Es sei darauf zu achten, dass vergleichbare Wettbewerbsbedingungen für private und öffentliche Unternehmen herrschten. Der Aufbau digitaler kommunaler Plattformen könne lokale Produzenten, Lieferanten und Nutzer/Verbraucher zusammenbringen. Dies könne die Digitalisierung effizienter und leistungsfähiger gestalten. Eine Herausforderung dieser Plattform sei jedoch eine tragfähige Finanzierung.
Zur Methodik
Im Rahmen einer Befragung (Delphi-Methode: empirische Analyse in Form einer mehrstufigen Expertenbefragung) wurde für eine bestimmte Themenstellung ein Zukunftsbild aus der Perspektive heutiger Entscheider und Experten entworfen und in zwei Befragungsrunden zu einer Gruppenmeinung verdichtet. Als Experten standen dabei Vertreter kommunaler Spitzenverbände, der Wissenschaft, der Politik, einiger Unternehmen, von Verbänden und Rechtsanwalts- bzw. Beratungsgesellschaften zur Verfügung. Die Befragung zielte u. a. darauf ab zu eruieren, welche aktuellen wie zukünftigen gesellschaftlichen, ökonomischen und technischen Entwicklungen die Treiber der künftigen Daseinsvorsorge nehmen.
Der vollständige Bericht ist zu finden unter https://kowid.de.