Vorhersage von Epidemien durch Abwassermonitoring
Zuletzt hatten wir einem Beitrag über das Abwassermonitoring als wichtiges Frühwarnsystem für Viruslasten informiert. Zuvor war es Forschern gelungen, in einigen Regionen Europas den Ausbruch von COVID-19-Pandemien zwei Wochen zuvor vorherzusagen, indem sie Abwasser untersuchten.
Diese Methode wird nun auch zur Feststellung anderer Krankheiten und Viren eingesetzt. Das EU Wastewater Observatory for Public Health hat dazu einen Bericht verfasst.
Betrachtet man die Forschungsergebnisse in Europa, konnten in Belgien und in Deutschland verschiedene Viren im Abwasser nachgewiesen werden. In Deutschland konnte das Hepatitis-E-Virus in Kläranlagen und Flüssen belegt werden. In Belgien wurden Abwasserproben untersucht, in denen verschiedene Viren für Atemwegserkrankungen gefunden wurden. Das RS-Virus war am häufigsten vertreten, aber auch ähnliche Viren wie Influenza A, Humanes Metapneumovirus, Parainfluenza Typ 1, 3 und 4, sowie das Adenovirus konnten erfolgreich festgestellt werden.
Auch in Nordamerika werden Abwässer untersucht. In Florida konnte das Dengue-Virus nachgewiesen werden, was ein großer Erfolg ist, da die Infektion oft asymptomatisch verläuft oder die Symptome der Krankheit nicht zugeordnet werden können. In den USA bestand bereits seit Ende letzten Jahres die Möglichkeit, Influenza des Subtyps H5 im Abwasser nachzuweisen. Diese Erkenntnis wurde jedoch nicht genutzt und nun breitet sich die Vogelgrippe, genauer gesagt der Influenza Subtyp H5N1, unter Rindern und anderen Säugetieren aus. Auch Milchkühe sind betroffen In Europa gibt es bisher keine Hinweise auf ähnliche Infektionen. In Argentinien wurde das Hepatitis-A-Virus im Abwasser nachgewiesen. In Uruguay wurden ebenfalls Abwässer und Oberflächengewässer untersucht. Das Humane Bocavirus wurde größtenteils im Abwasser gefunden, während nur ein kleiner Teil des Oberflächenwassers betroffen war.
In Tunesien wurde das Abwasser auf potentiell pathogene Vibrio-Arten untersucht. Dabei wurden Vibrio alginolyticus, Vibrio cholerae, Vibrio vulnificus und Vibrio parahaemolyticus identifiziert. Im Senegal wurde das Aichi-Virus 1 nachgewiesen.
Forscher konnten auch im indischen Abwasser erstmals eine Reihe von Viren, darunter Chikungunya-, Jingmen-Zecken- und Tollwutviren belegen. In Japan wurden Noroviren der Genotypen 1 und 2, Enteroviren und Adenoviren im Zulauf, im aufbereiteten Wasser und im Abwasser gefunden. Auch im Gazastreifen wurde Abwasser untersucht, wobei der Polio-Virus festgestellt wurde. Bisher sind jedoch noch keine Infektionen bekannt.
Weitere Informationen:
Überblick über weltweite Abwasseruntersuchungen: EU4S (europa.eu)
Anmerkungen:
Das Abwassermonitoring wird zunehmend zu einem wichtigen Instrument bei der Früherkennung von Pandemien entwickelt. Mit der Zulieferung von Abwasserproben können kommunale Kläranlagen helfen, die öffentliche Gesundheitsprävention besser aufzustellen. So sieht auch die EU-Kommunalabwasser-Richtlinie in Art. 17 ein regelmäßiges Monitoring von relevanten Gesundheitsparametern im Abwasser vor. Hierbei wird es von Bedeutung sein, dass die kommunale Abwasserbehandlung finanziell von Bund und Ländern gefördert wird, damit sie den wichtigen Beitrag im Rahmen des Pandemieradars leisten kann. Insoweit muss die Umsetzung des Abwassermonitorings mittel- bis langfristig betrachtet werden. Der Bund finanziert derzeit das „Abwasser-Monitoring für die epidemiologische Lageüberwachung“ mit über 30 Mio. Euro bis Ende 2024.