Zahl der Rad-Unfälle steigt

Fahrradunfall

Während die Zahl der Verkehrstoten sich auf einem historischen Tiefststand bewegt und auch die Zahl der Verletzten bei Verkehrsunfällen insgesamt sinkt, steigt die Zahl der Rad-Unfälle. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Für mehr Verkehrssicherheit bedarf es neben sicherer Infrastruktur auch einer stärkeren Beachtung der Verkehrsregeln.

Verkehrsunfallstatistik - Getötete und Verletzte

Nach der Verkehrsunfallstatistik für 2019 sind im vergangenen Jahr in Deutschland 3.046 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen gestorben. Während die Zahl der Verkehrstoten insgesamt zwischen 2016 und 2019 um 5,0 Prozent gesunken ist, stieg die Zahl der der getöteten Radfahrenden im gleichen Zeitraum um 13,2 Prozent. Die Zahl der durch Verkehrsunfälle Verletzten sank zwischen 2016 und 2019 insgesamt um 3,5 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der verletzten Radfahrenden um 13,2 Prozent an.

Verkehrsunfallstatistik - Hauptverursacher

Hauptverursacher von Unfällen mit Personenschäden im Jahr 2019 waren Fahrer von Pkw in 199.363 Fällen, von Fahrrädern in 43.018 Fällen, von Krafträdern in 22.148 Fällen und von Güterfahrzeugen in 17.641 Fällen. Fahrer von Bussen (2.605) sowie Fußgänger (8.513) waren weniger Hauptverursacher.

Die Betrachtung der Hauptverursacher von Unfällen mit Personenschäden ergibt einen rückläufigen Trend zwischen 2016 und 2019 bei Fahrern von Personenkrafträdern (-5,7 Prozent) als auch bei Fahrern von Krafträdern (-2,4 Prozent) und Güterfahrzeugen (-7,3 Prozent) und Fußgängern (-4,35 Prozent). Bei Radfahrenden als auch Fahrern von Bussen stieg jedoch die Zahl der Hauptverursacher zwischen 2016 und 2019 um 14,2 Prozent bzw. 4,9 Prozent.

Verkehrsunfallstatistik - Autofahrende sind häufigste Unfallgegner von Radfahrenden

An rund 65.200 Fahrradunfällen mit Personenschaden war eine zweite Verkehrsteilnehmerin oder ein zweiter Verkehrsteilnehmer beteiligt, in 73,9 Prozent der Fälle war dies eine Autofahrerin oder ein Autofahrer (48.230 Unfälle). Fahrradfahrerinnen und -fahrer, die in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt waren, trugen nach den Daten des Statistischen Bundesamtes insgesamt an weniger als der Hälfte der Unfälle die Schuld (45,4 Prozent).

Dooring-Unfälle

Eine aktuelle Auswertung der Unfallstatistik durch die Unfallforschung der Versicherer (UDV) ergab, dass durch plötzlich aufgehende Autotüren (sogenannte Dooring-Unfälle) oder Lieferfahrzeuge, die den Radstreifen blockieren eine deutlich größere Gefahr ausgeht, als bisher angenommen wurde. Die Untersuchung der UDV beziffert den Anteil der innerörtlichen Unfälle von Radfahrern und Fußgängern, die mit dem Parken von Kraftfahrzeugen in Verbindung stehen, auf 18 Prozent.

Anmerkung:

Die jüngsten Zahlen der Unfallstatistik zeigen, dass sich die Verkehrssicherheit trotz des Verkehrswachstums zwar weiter verbessert, jedoch gleichzeitig zunehmend Radfahrende in Unfälle verwickelt werden. Aufgrund des fehlenden Schutzes wie auch bei Fußgängern kommt es hierbei häufig zu Unfällen mit Personenschäden, was besonders besorgniserregend ist.

Bei der Suche nach den Ursachen bedarf es einer differenzierten Betrachtung. So unterstreichen die Daten die Notwendigkeit des Ausbaus der Radinfrastruktur, um beispielsweise gefährliche Situationen zwischen Kraftfahrzeugen und Radfahrenden beim Abbiegen und Kreuzen zu vermeiden.

Gleichzeitig zeigt der Blick auf die steigende Zahl der Hauptverursacher von Unfällen durch Radfahrende, dass die Beachtung der Verkehrsregeln deutlicher als bisher thematisiert werden sollte. So sind beispielsweise Rotlichtverstöße durch Radfahrende kein Kavaliersdelikt, sondern erzeugen kritische Situationen für alle Verkehrsbeteiligten.

Der DStGB plädiert daher anstelle ideologischer Debatten um „Autoraser“ und „Rambo-Radler“ für bundesweite Kampagnen sowie wirksame und verhältnismäßige Sanktionen, um das Bewusstsein bei allen Verkehrsteilnehmenden für eine stärkere Beachtung der Verkehrsregeln und die gezielte Verhinderung gefährlicher Situationen zu stärken. Die anstehende Novelle der Straßenverkehrsordnung und Anpassung des Bußgeldkatalogs sollte hierzu zum Anlass genommen werden.

Weitere Informationen

Statistik über Verkehrsunfälle auf der Webseite des Statistischen Bundesamtes mit den zitierten Daten: www.destatis.de

Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes zu Unfällen mit Radfahrenden: www.destatis.de

Studie der Unfallforschung der Versicherer: https://udv.de

24.09.2020