Zusammenarbeit statt Zwangsfusion – VKU-Studie zu Verteilnetzbetreibern & Energiewende

kraftwerk

Eine neue Studie im Auftrag des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) macht deutlich: Der Ausbau der Stromverteilnetze ist die entscheidende Infrastrukturaufgabe der Energiewende – und lässt sich durch gezielte Kooperationen zwischen Netzbetreibern effizienter und kostengünstiger bewältigen. Für Kommunen und ihre Stadtwerke sind das wichtige Erkenntnisse, denn sie tragen die Hauptlast des Netzausbaus vor Ort.

Die Studie „Kooperationen von Verteilnetzbetreibern – VNB-Roadmap 2045“ wurde von der BET Consulting GmbH im Auftrag des VKU erarbeitet. Sie analysiert entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Verteilnetze, wo und wie Netzbetreiber kooperieren können und formuliert praxisnahe Handlungsempfehlungen für Netzbetreiber, Politik und Regulierung. Ausgangspunkt der Studie ist eine klare Bestandsaufnahme: Die Anforderungen der Energiewende verändern die Rahmenbedingungen für Verteilnetzbetreiber strukturell und führen zu einem Umsetzungsdruck, der bestehende Organisations- und Leistungsmodelle zunehmend an ihre Grenzen bringt.

Allein für den Ausbau und die Modernisierung der Stromverteilnetzinfrastruktur seien, laut Studie, bis 2045 Investitionen von deutlich mehr als 235 Mrd. Euro erforderlich. Gleichzeitig stiegen regulatorische Anforderungen, Qualitäts- und Berichtspflichten sowie der Digitalisierungsdruck. Besonders kleinere und mittlere Netzbetreiber stießen dabei an Kapazitätsgrenzen: bei Personal, IT-Systemen und Finanzierungsmöglichkeiten. Steigende Lasten durch Elektromobilität und Wärmepumpen, die Integration dezentraler Erzeugungsanlagen sowie der Rollout intelligenter Messsysteme verschärften den Druck zusätzlich.

Die historisch gewachsene, dezentrale Netzstruktur sei keine Schwäche, sondern, laut VKU, ein Standortvorteil. Kommunal verankerte Netzbetreiber würden die lokalen Gegebenheiten kennen, könnten Infrastrukturentscheidungen gezielt auf regionale Besonderheiten abstimmen und stärkten regionale Wirtschaftskreisläufe. Die Studie komme daher zu einem klaren Ergebnis: Nicht Zwangsfusion, sondern gezielte, freiwillige Kooperationen seien der richtige Weg, denn sie ermöglichten Skaleneffekte und Effizienzgewinne, ohne die Selbstständigkeit der Unternehmen zu gefährden.

Die Studie identifiziert neun konkrete Kooperationsfelder: Netzführung und Flexibilitätsmanagement, Smart-Meter- und Steuerungsrollout, Netzanschluss- und Kundenprozesse, Datenmanagement und IT-Architekturen, Netzbetrieb, Netzplanung sowie Ressourcen-, Finanzierungs- und Investitionsmanagement. Grundvoraussetzung für funktionierende Kooperationen sei dabei Standardisierung: Einheitliche Prozesse, abgestimmte Datenmodelle und interoperable Schnittstellen seien der Schlüssel, damit freiwillige Zusammenarbeit wirksam werde und Systemkosten gesenkt werden könnten.

Der Rechts- und Regulierungsrahmen müsse Kooperationen aktiver fördern, statt sie durch bürokratische Hürden zu erschweren. Verteilnetzbetreiber bräuchten Investitions- und Planungssicherheit, um die milliardenschweren Investitionen in den Netzausbau stemmen zu können. Politik, Regulierung und Verbände seien laut Studie gemeinsam gefordert, bestehende Hemmnisse abzubauen und Anreize für mehr Zusammenarbeit zu schaffen.

Anmerkung:

Die Erkenntnisse der Studie sind für Kommunen und ihre Stadtwerke interessant: Wer als Gesellschafter eines kommunalen Netzbetreibers agiert oder als Gemeinde auf dessen Leistungen angewiesen ist, sollte die Kooperationspotenziale kennen und nutzen. Kooperationen bei IT, Netzplanung oder dem Smart-Meter-Rollout können Kosten senken und Kapazitäten freisetzen – ohne die kommunale Kontrolle über die Infrastruktur aufzugeben.

Weitere Informationen:

Weitere Informationen zur VKU-Studie finden Sie unter: www.vku.de (Rubrik VKU-Startseite / Presse / Aktuelle Pressemitteilungen/ Artikel vom 29.04.2026)

01.07.2026