eGovernment MONITOR 2021 – Nutzung digitaler Verwaltungsangebote stagniert, Zufriedenheit sinkt

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Im Mittelpunkt des eGovernment MONITORs 2021 der Initiative D21 stehen erneut die staatlichen Digitalangebote. Die Studie liefert ein umfassendes Lagebild über die Nutzung und Akzeptanz digitaler Verwaltungsleistungen in Deutschland und im Vergleich zu Österreich und der Schweiz und basiert auf Daten aus dem Juni 2021.

Die Ende Oktober d. J. vorgestellte Studie zeigt auf, dass die digitale Verwaltung bislang nicht in der Breite der Bevölkerung ankommt. Während viele Bürgerinnen und Bürger in der Corona-Pandemie privat und beruflich einen regelrechten Digitalisierungsschub erlebten, blieb dieser in der Interaktion mit der Verwaltung größtenteils aus. Erstmals wurde in der Studie exklusiv ein Vergleich der Bundesländer durchgeführt.

Auf folgende wesentliche Ergebnisse ist hinzuweisen:

  • Die Digitalisierung des Staates geht nur schleppend voran und bleibt weit hinter den Entwicklungen in der Wirtschaft und im Privatleben der Bürgerinnen und Bürgern zurück. Die Nutzung des E-Government-Angebots nimmt im Vergleich zum Vorjahr leicht ab und liegt aktuell bei 52 Prozent, die Zufriedenheit sinkt um 15 Prozentpunkte auf ein Rekordtief. Die Hürden für eine (intensivere) Nutzung sind dabei vielfältig und unterscheiden sich zwischen den Bevölkerungsgruppen.
  • Im erstmals vorgenommenen Bundesländervergleich zeigt sich, dass sich die Bewertung digitaler Verwaltungsleistungen deutlich zwischen den Bundesländern unterscheidet, am zufriedensten ist man in Hamburg (59 Prozent sind zufrieden). Bei Bekanntheit und Nutzung liegen die Stadtstaaten vorn, aber auch in Thüringen und Brandenburg wurden digitale Verwaltungsleistungen im letzten Jahr mit 56 Prozent überdurchschnittlich oft genutzt.
  • Große Infrastrukturprojekte der Verwaltung wie die Behördennummer 115 aber auch der Online-Ausweis erreichen die Bürgerinnen und Bürger nicht. So hat keine der zahlreichen Iterationen dazu geführt, dass sich die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises durchsetzt (Nutzung der Funktion liegt bei neun Prozent). Der Speicherung der Ausweisdaten auf dem Smartphone stehen die Bürgerinnen und Bürgern jedoch sehr offen gegenüber. Vor allem Jüngere (62 Prozent) und E-Government-Erfahrene (60 Prozent) bekunden ihr Interesse an dieser Funktion.
  • Digitale Daseinsvorrsorge: Die elektronische Patientenakte startet in Deutschland 2021 mit einem hohen Bekanntheitsniveau (65 Prozent) und trifft auf aufgeschlossene Bürgerinnen und Bürgern, auch wenn die Nutzung derzeit noch gering ausfällt (fünf Prozent). Beim digitalen Schulunterricht hingegen bleiben die grundlegenden Probleme weiter bestehen: 85 Prozent der Betroffenen erlebten Hürden, die Mehrheit beklagt Internetprobleme und über ein Drittel vermissen digitale Kompetenzen bei den Lehrkräften.

Anmerkung:

Die Ergebnisse in diesem Jahr sprechen eine deutliche Sprache und bestätigen den Eindruck der letzten Jahre (s. auch KNSA-Beitrag Nr. 384/2020). Es ist auf allen föderalen Ebenen noch nicht wirklich gelungen, Bürgerinnen und Bürgern einen einfachen, sicheren und auch mobilen Zugang zu allen Verwaltungsdienstleistungen zu ermöglichen.E-Government-Leistungen sind noch längst nicht für alle Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen zugänglich, die aus ihrem Alltagsleben mittlerweile längst eine andere Qualität digitaler Dienstleistungen gewohnt sind. Vor diesem Hintergrund ist auch der deutliche Rückgang der Zufriedenheit mit den digitalen Verwaltungsangeboten erklärbar. Eine der großen Aufgabe der neuen Legislaturperiode im Land und auf Bundesebene wird es sein, Verwaltung aus Perspektive der Bürgerinnen und Bürgern zu denken und digital zu gestalten.

Ob die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) einen signifikanten Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten kann ist allerdings mehr als fraglich. Auch wenn es gute Ansätze, wie etwa die stärkere Orientierung am Nutzen für Bürgerinnen und Bürger sowie für Unternehmen oder die arbeitsteilige Umsetzung der Digitalisierungsvorhaben, beinhaltet, verlieren sich die derzeitigen Bemühungen trotz des hohen Zeitdrucks immer noch in zu vielen Details. Notwendig ist es, bei der OZG-Umsetzung umzusteuern, durchgehend digitale Prozesse und standardisierte Basiskomponenten zu etablieren und sich auf die am meisten nachgefragten Verwaltungsleistungen zu konzentrieren. Auch hier wartet viel Arbeit auf die Landesregierung und die neue Bundesregierung.

Der eGovernment MONITOR 2021 steht unter folgendem Link zum Download zur Verfügung: https://initiatived21.de.

19.11.2021